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Pharmamüll
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Das kann nicht weg – das ist jetzt Kunst

Patienten geben in Apotheken oft Arzneimittel, Spritzen oder Blisterpackungen zurück. Seit ein paar Jahren machen ein Arzt und ein Designer aus dem Pharmamüll Kunst. Mit ihren Werken wollen sie unter anderem auf das wertvolle Gut der Pharmazie aufmerksam machen. 
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 11.09.2023  07:00 Uhr

Schon einmal am Corona-Beach gewesen oder als Wanderer über dem Blistermeer gestanden? Der Krefelder Kardiologe Dr. Dorian Recker widmet sich in seinem Ruhestand nun einer ganz neuen Karriere – als Künstler. Zusammen mit seinem ehemaligen Patienten und heutigen Freund, dem Grafik-Designer und Fotografen Andreas Willems, hat er kurz vor der Covid-19-Pandemie das Kunstprojekt DRAW ins Leben gerufen. Seitdem entsteht ein Werk nach dem anderen.

OP-Masken, Arzneimittelschachteln, Blisterpackungen, Spritzen, Tabletten – alles wird zur Kunst verarbeitet. Ein paar Accessoires aus dem Baumarkt wie Dübel oder Nägel machen die Werke dann perfekt. Die Blisterpackungen stehen zum Beispiel für die Anonymität und Sterilität, Kälte und Vereinsamung unserer Welt, sagt Recker im Gespräch mit der PZ.

Die Idee kam dem Arzt, weil seine Frau Apothekerin ist und im Alltag säckeweise Pharmamüll entgegennimmt. Leider sei den Patienten der eigentliche Wert des Medikamentes oft nicht bewusst, weil sie bloß ein Rezept einreichten oder eine pauschale Zuzahlung entrichteten, bedauert Recker. Dabei benötige es »viele Jahre Forschung, zahlreiche Wissenschaftler und viel Geld von der Idee eines Wirkstoffes bis zur Produktion eines Pharmazeutikums«.

Mehr Wertschätzung für Arzneimittel

Mit ihrer Kunst wollen die beiden auf die Probleme der Konsumgesellschaft aufmerksam machen und gleichzeitig an mehr Wertschätzung – insbesondere für Arzneimittel – appellieren. Die »Pharmazie ist ein wertvolles Gut«, betonte Recker gegenüber der PZ. Es geht dem Künstler-Duo nach eigenen Angaben nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger auf einzelne Branchen zu zeigen. Dennoch wollen sie mit ihren Arbeiten ein Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit schaffen – nicht nur in der Pharmaindustrie. Am liebsten würden Recker und Willems ihre Kunst gern mal bei Krankenkassen oder Pharmaunternehmen ausstellen, um auf die Weise Diskussionen rund um das Thema Pharmamüll anzustoßen.

Jedes Werk ist übrigens auf 50 Exemplare limitiert. Zunächst fotografieren die beiden ihre Miniaturen und hübschen die Bilder dann mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf, um sie später auf Acrylglas oder andere Untergründe aufzuziehen. In der Regel seien die Werke 120 x 80 Meter groß und kosteten rund 450 Euro, so Recker. Aber auch größere und kleine Formate sind auf Wunsch zu haben.

»Insomnia« 2023 / Foto: pharmart.gallery
»Pharma-City 3« 2022 / Foto: pharmart.gallery
»Multi-Medikation« 2023 / Foto: pharmart.gallery
»Giftwolke 1« 2020 / Foto: pharmart.gallery
»Die Goldene 8« 2023 / Foto: pharmart.gallery
»Social Distancing 3« 2020 / Foto: pharmart.gallery
»Impfstation 1« 2022 / Foto: pharmart.gallery
»Corona Beach 1« 2020 / Foto: pharmart.gallery
»On Fire« 2023 / Foto: pharmart.gallery

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