| Johanna Hauser |
| 20.03.2026 07:00 Uhr |
Bringt der Patient Laborwerte zur Medikationsanalyse mit, können diese das Ergebnis für den Patienten verbessern. Zwingend einzufordern sind sie jedoch nicht. / © Adobe Stock/Zamrznuti tonovi
Die honorierte pharmazeutische Dienstleistung »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« sieht eine Analyse vom Typ 2a vor. Vorgesehen ist die Erfassung der gesamten Medikation inklusive selbst erworbener OTC-Produkte und Nahrungsergänzungsmittel durch ein Gespräch mit dem Patienten und die Prüfung und Lösung manifester und/oder potenzieller arzneimittelbezogener Probleme (ABP). Laborwerte sind keine Voraussetzung, um diese pDL zu erbringen. Sind Laborwerte jedoch bekannt und für die Analyse relevant, sollten sie berücksichtigt werden.
Beginnt man gerade erst, Medikationsanalysen in seiner Apotheke zu etablieren, solle man zunächst bei dem vorgesehen Typ 2a bleiben, empfiehlt Referentin Dr. Dorothee Dartsch, Apothekerin und Geschäftsführerin von Campus Pharmazie. Denn bei allen Vorteilen, die Laborwerte bieten, müsse man anerkennen, dass deren Einbeziehung in die Analysen zeitaufwendig sei.
Mit mehr Routine ließen sich mit Hilfe von Laborwerten mehr ABP identifizieren und Probleme lösen, sodass ein besseres Ergebnis für den Patienten resultiere. Denn die Werte können Hinweise zu Organfunktionen geben und lassen somit Rückschlüsse auf die (Nicht-)Wirksamkeit von Arzneimitteln zu.
Liegen in der Apotheke Laborwerte vor, stellt sich die Frage, ob die Werte für die Medikation des Patienten relevant sind. Auch das Alter der Werte spielt eine Rolle. Bringt beispielsweise ein Patient Werte von vor einem oder zwei Jahren mit, sind diese für eine aktuelle Analyse nicht verwertbar. Sie können lediglich einen Hinweis, beispielsweise auf die Entwicklung der Nierenfunktion, geben.
Nimmt der Patient Thrombozytenaggregationshemmer und SSRI ein, braucht es keinen INR-Wert. In dem Fall könne jedoch ein kleines Blutbild Hinweise liefern, ob durch unbemerkte gastrointestinale Blutungen eine Anämie vorliegt.
Eine weitere wichtige Frage lautet: Passen die Symptome zu den Blutwerten? Klagt der Patient über Übelkeit und es liegt eine Hyperkaliämie vor? Oder ist der Wert im Normbereich, sodass die Übelkeit andere Ursachen haben kann?
Betrachtet man die Analyse von der Arzneimittel-Seite aus, sollte man die Eliminationswege im Auge behalten. Werden Arzneimittel hauptsächlich über die Niere oder die Leber eliminiert? Wie steht es um entsprechende Labor-Parameter wie Kreatinin und GFR oder ALT, ASR und Bilirubin?