| Alexander Müller |
| 23.02.2026 17:00 Uhr |
Professor Theo Dingermann referierte über die Entwicklung von Longevity. / © PZ/Alois Müller
Bei Longevity geht es weniger darum, das Durchschnittsalter zu heben, sondern unter dem Begriff »Healthspan« eher um die Verlängerung des Zeitraums, in dem eine Person innerhalb ihrer Lebensspanne gesund ist. Das Alter beim erstmaligen Auftreten einer Erkrankung wie Diabetes, Krebs, COPD, Demenz oder kardiovaskulären Erkrankungen kann als Endpunkt einer solchen Betrachtung genommen werden.
Leistungsbasierte Operationalisierungen versuchen, gesundheitliche Einschränkungen früher im Lebensverlauf zu erfassen. Dazu zählen laut Dingermann Messungen der Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit oder kognitiven Leistungsfähigkeit.
Wie groß das Thema inzwischen geworden ist, zeigt der »Longevity-Marktreport 2025+«. Demnach nutzt knapp ein Drittel der Befragten gelegentlich oder regelmäßig Longevity-Produkte. Und die Hälfte der Befragten hätte immerhin Interesse daran. »Damit liegt das Thema in seiner gesellschaftlichen Resonanz auf einem Niveau, das weit über kurzfristige Trends hinausgeht«, so Dingermann.
Für die Apothekenteams auf der anderen Seite stellt sich in der Präventionsberatung die Frage, welche Interventionen tatsächlich einen messbaren Effekt auf die »Healthspan« haben. Und die »Hierarchie der Interventionen« zeigt laut Dingermann eine schmerzhafte Erkenntnis für all diejenigen, die mit der täglichen Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels hoffen, alle Krankheiten fernzuhalten: Auf den ersten drei Plätzen liegen nämlich Bewegung, Ernährung und Schlaf. Dann folgen Impfungen und Medikationsmanagement – und erst danach Supplemente.
Bei der Bewegung schlägt Regelmäßigkeit die Intensität, führte Dingermann weiter aus. Ein vielfach unterschätzter Faktor ist der altersbedingte Muskelschwund. Sarkopenie sei einer der Haupttreiber von Gebrechlichkeit, Krafttraining daher mehr Prävention als Lifestyle-Empfehlung, so Dingermann.
Bekannt und belegt ist, dass die sogenannte mediterrane Ernährung – Gemüse, Hülsenfrüchte, Olivenöl, Nüsse und Fisch – kardiovaskuläre Ereignisse bei Hochrisikopersonen senkt.
Beim Schlafen liegt der optimale Bereich meist zwischen sieben und acht Stunden, sei aber individuell variabel, so Dingermann. Schlechter Schlaf begünstige unter anderem das Risiko für Depression und Demenz. Und gerade in der Apotheke würden Schlafprobleme früh auffallen.
Da schwere Infektionen langfristig das Risiko für funktionelle Einschränkungen erhöhen, sind sie als echte Longevity-Prävention zu verstehen, so Dingermann. So senke eine Impfung gegen Herpes zoster das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um durchschnittlich 20 Prozent.