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Nach Herzkatheter-Eingriff
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Clopidogrel & Co langfristig besser wirksam als ASS

Um langfristig kardiovaskuläre Ereignisse nach einem Kathetereingriff zur Weitung der Herzkranzgefäße zu verhindern, bekommen Patienten lebenslang ASS. Jetzt zeigt eine Metaanalyse, dass P2Y12-Inhibitoren wie Clopidogrel besser sein könnten, um Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 17.06.2025  13:00 Uhr
Weniger kardiovaskuläre Ereignisse unter P2Y12-Hemmern

Weniger kardiovaskuläre Ereignisse unter P2Y12-Hemmern

Es zeigte sich, dass unter einer Monotherapie mit P2Y12-Inhibitoren im Vergleich zu einer Monotherapie mit ASS schwere kardiale und zerebrovaskuläre Ergeignisse signifikant reduziert waren (HR: 0,77; P<0,001). Die Number Needed to Treat (NNT) errechnete sich zu 46. Bei den schweren Blutungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede (HR: 1,12; P=0,60).

Bei den sekundären Endpunkten traten NACCE, Myokardinfarkt und Schlaganfall bei Patienten, denen ein P2Y12-Hemmer verabreicht wurde, seltener auf als bei Patienten, die ASS erhielten. Die Hazard Ratio für Myokardinfarkt betrug 0,69 (P=0,001) und für Schlaganfall 0,67 (P=0,004). Für den kombinierten Nettoendpunkt (NACCE) betrug die Hazard Radio 0,85 (P=0,04).

Es zeigten sich keine Unterschiede bei kardiovaskulärem oder Gesamtmortalitätsrisiko. Das Blutungsrisiko war insgesamt nicht erhöht. Jedoch konnte ein Trend zu mehr nicht schwerwiegenden Blutungen bei einer Behandlung mit P2Y12-Inhibitoren beobachtet werden.

Die Reduktion von MACCE war robust über alle Subgruppen hinweg, unabhängig von Alter, Geschlecht, Diabetesstatus, Nierenfunktion, Art des P2Y12-Inhibitors, ebenso wie von der klinischen Präsentation (akut versus chronisch), geografischer Region und der Begleitmedikation wie Protonenpumpen-Inhibitoren. Auch bei Per-Protocol-Analysen und Landmark-Zeitpunkten (zum Beispiel nach 1000 Tagen) blieben die Hauptergebnisse stabil.

Interpretation der Wirkmechanismen

P2Y12-Inhibitoren blockieren den ADP-vermittelten Thrombozyten-Aggregations-Weg irreversibel (Clopidogrel) oder reversibel (Ticagrelor) und unterdrücken damit eine zentrale Aktivierungsachse der Plättchen. Im Vergleich zur Acetylsalicylsäure, die nur die Thromboxan-A2-vermittelte Aggregation hemmt, haben P2Y12-Inhibitoren eine breitere und konsistentere antithrombotische Wirkung, ohne das gastrointestinale Schleimhautrisiko durch eine Hemmung der Cyclooxygenase.

Somit liefert diese Metaanalyse evidenzbasierte Argumente für einen Strategiewechsel in der Sekundärprävention nach PCI. Demnach sind P2Y12-Inhibitoren (Clopidogrel oder Ticagrelor) der ASS langfristig überlegen, wenn es um die Reduktion nicht tödlicher ischämischer Ereignisse geht, ohne dabei das Risiko schwerer Blutungen zu erhöhen.

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