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ABDA-Talk zum E-Rezept
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»Card-Link ist ein Brandbeschleuniger« 

Am Donnerstagabend wurde bei einem gemeinsamen Live-Talk der ABDA und der Gematik über die ersten 100 Tage des E-Rezepts diskutiert. Dabei ging es unter anderem um die Risiken des Card-Link-Verfahrens und die Ursachen für die regelmäßigen technischen Störungen. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 12.04.2024  14:32 Uhr
»Card-Link ist ein Brandbeschleuniger« 

Seit mehr als 100 Tagen ist das E-Rezept in Deutschland Pflicht. Doch aufgrund häufiger technischer Probleme ist die bisherige Bilanz eher durchwachsen. Am Donnerstagabend diskutierten Claudia Korf, Geschäftsführerin Ökonomie bei der ABDA, und Gematik-Interimsgeschäftsführer Florian Hartge um über die Chancen und Probleme der elektronischen Verschreibungen zu diskutieren.

Ein wesentliches Streitthema war das neue Card-Link-Verfahren, bei dem ein E-Rezept mit der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) über eine Smartphone-App eingelöst werden kann. In dieser Woche gab der Versender Doc Morris bekannt, eine Card-Link Zulassung von der Gematik bekommen zu haben. Das Verfahren steht seit langem wegen Bedenken beim Datenschutz in der Kritik. 

Brückentechnologie ohne Datenschutz? 

Auch Claudia Korf sorgte sich um die Sicherheit der Patientendaten. »Medizinische Daten gehen auf Wanderschaft, der Patient kann nicht erkennen, welche Apps sicher sind. Die Anwender bekommen eine App, die groß beworben wird und simpel in der Anwendung ist. Doch ob die Daten in der App verbleiben, kann kein Mensch überprüfen.« Korf wünscht sich daher eine Integration des Card-Link-Verfahrens in die Gematik-App. Diese sei mit großem Aufwand entwickelt worden und könne ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten.

Für Korf ist es unverantwortlich, dass die Apps der Gematik und der Krankenkassen sehr hohe Sicherheitsstandards erfüllen müssen, die allerdings nicht für die Anwendungen von Drittanbietern gelten. 

Hartge teilte diese Einschätzung nicht und betonte, dass das gegenwärtige Verfahren nur eine »Brückentechnologie« sei. »Das Verfahren ist im Einvernehmen mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten und dem Bundesamt für Sicherheit in der Infotmationstechnik abgestimmt worden. Die App ist eine Verlängerung des Apothekensystems für den auch die Datenschutzgrundverordnung gilt«, erklärte der Gematik-Interimsgeschäftsführer. 

Auch die Doc Morris Anwendung sei angemessen geprüft worden. Die schnelle Zulassung ließe sich dadurch erklären, dass der niederländische Versandhändler früh mit der Entwicklung begonnen und diese mit großem Druck vorangetrieben habe. 

Hartge bestätigte, dass aktuell noch weitere Card-Link Zulassungsverfahren laufen. Claudia Korf befürchtet daher merkliche Verschiebungen auf dem deutschen Apothekenmarkt: »Das ist ein Brandbeschleuniger. Schon jetzt machen ausländische Versandapotheken rechtswidrige Rabattangebote  und haben über das neue Verfahren eine Chance, an mehr Verschreibungen zu gelangen.« 

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