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Gesundheitsdaten
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BMG will beim Datennutzungsgesetz Gas geben

Die Pläne der EU-Kommission zu einem Europäischen Gesundheitsdatenraum nehmen Form an. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) will aber schneller sein und noch vorher das geplante Gesundheitsdaten-Nutzungsgesetz umsetzen, wie Nilofar Badra-Azar berichtete. Sie arbeitet beim BMG im Referat Grundsatzfragen neue Technologien und Datennutzung.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 10.11.2022  10:00 Uhr

Erst müssen die nationalen Regeln stehen

»Für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung hierzulande brauchen wir europäische Daten«, stellte Badra-Azar klar. Allerdings müssten für den Austausch zwischen den Mitgliedstaaten zunächst ausreichend deutsche Gesundheitsdaten zur Verfügung stehen, sprich die Nutzung der Primärdaten müsse bereits vor Einführung des EHDS geregelt sein.

An dieser Stelle kommt nun das geplante Gesundheitsdaten-Nutzungsgesetz (GDNG) ins Spiel, das »zur besseren wissenschaftlichen Nutzung« von Gesundheitsdaten dienen und eine »dezentrale Forschungsdateninfrastruktur« aufbauen soll – so steht es im Koalitionsvertrag. Das BMG drückt laut Badra-Azar bei der Umsetzung des Gesetzes nun aufs Gaspedal. Denn erst, wenn die nationalen Säulen aufgebaut und geregelt seien, könne die Zusammenarbeit mit dem EU-Ausland funktionieren.

Das Ministerium will ihren Angaben zufolge dabei in Sachen Technik »auf vorhandene Standards aufbauen und nicht alles neu machen.« Sorge, dass etwaige Änderungen an dem EU-Vorhaben das GDNG hinfällig machen könnten, hat sie nicht. An den Grundpfeilern der EU-Pläne erwartet die BMG-Mitarbeiterin keine so gravierenden Umgestaltungen, dass hierzulande nicht parallel auch ein GDNG angegangen werden könnte.

Deutsche vertrauen den Leistungserbringern

Nach Ansicht von Ibo Teuber, Partner im Bereich Life Sciences & Health Care beim Wirtschaftsdienstleister Deloitte, seien die Deutschen bereit, ihre Gesundheitsdaten zu teilen. Das hob er in einer anschließenden Diskussionsrunde hervor. Allerdings müsse der Zweck eine bessere Behandlung oder eine übergreifende Forschung sein. »Die Menschen müssen den Mehrwert erkennen«, so Teuber. Laut einer aktuellen Deloitte-Studie sind derzeit rund 80 Prozent der Bundesbürger bereit zur Datenspende. Beim Teilen vertraute die Bevölkerung demnach insbesondere den Leistungserbringern.

Beim Strukturieren medizinischer Datenmengen ist durchaus Eile geboten. Denn Teubers Angaben zufolge verdoppelt sich derzeit weltweit alle 73 Tage das Volumen an Gesundheitsdaten. Zum Vergleich: Das gesamte Datenvolumen auf der Welt verdoppelt sich alle zwei Jahre.

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