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Vorschläge der Finanzkommission
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»Bis zum Sommer weiß man, wo es langgeht«

Die Sparvorschläge der Finanzkommission Gesundheit haben ein breites Echo ausgelöst. Neben scharfer Kritik gab es auch ausdrückliches Lob. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) betonte im ZDF, eine gleichmäßige Verteilung der Lasten anzustreben.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 31.03.2026  14:38 Uhr

DPtV: Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit nicht akzeptabel

Doch nicht alle sind mit den vorgeschlagenen Maßnahmen zufrieden. »Offenbar sind versorgungsfeindliche und katastrophale Kürzungen im Bereich der psychischen Erkrankungen mittlerweile salonfähig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wir sind entsetzt«, sagten  Enno Maaß und Christina Jochim, Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV), in einer Pressemitteilung. Viele der Empfehlungen würden überproportional zu Lasten der »ohnehin schon unterfinanzierten psychotherapeutischen Versorgung« gehen. 

Laut DPtV werde die Zunahme behandlungsbedürftiger psychischer Erkrankungen ignoriert und »finanzielle Zuschläge für sinnvolle Kurzzeittherapien« sollen entfallen. »Damit werden sowohl eine Ausweitung des Behandlungsangebotes als auch das Behandlungsinstrument der kostengünstigen Kurzzeittherapien kaputtgespart«, sagt Maaß.

»Gemeinsam sind sich die ambulant tätigen Ärztinnen und Psychotherapeutinnen einig, dass Sparvorhaben im ambulanten Versorgungsbereich wenig Wirkung entfalten, wenn dabei die Versorgung geschwächt und eine Verschiebung in den kostenintensiven stationären Sektor gefördert wird«, betonen Maaß und Jochim. »Wenn dazu wie vorgeschlagen die finanzielle Unterstützung der fachärztlichen und damit psychotherapeutischen Grundversorgung gestrichen wird, dann vergreift man sich an der grundlegenden medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung der Menschen.« Zur Erinnerung: Ab dem 1. April werden die Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent gesenkt. Dies hat der Erweiterte Bewertungsausschuss Anfang März so beschlossen. 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte vor einem Wegfall von Millionen Terminen durch empfohlene Bremsen bei den Vergütungen. Ärztepräsident Klaus Reinhardt mahnte, nicht in eine aufgeheizte Debatte über Einzelmaßnahmen zu verfallen. »Allen Beteiligten muss klar sein: Es reicht nicht aus, die eigenen Reformbeiträge möglichst gering zu halten und im Übrigen am Status quo festzuhalten.« Gefragt sei jetzt Bereitschaft zu echter Veränderung. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte die Bundesregierung auf, endlich Farbe zu bekennen. Ein abgestimmtes Konzept müsse jetzt unverzüglich kommen.

Die Verbraucherzentrale kritisierte Vorschläge, Patientinnen und Patienten stärker zur Kasse zu bitten. »Das ist der falsche Weg«, sagte die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop. Höhere Zuzahlungen, etwa für Zahnersatz oder Arzneimittel, schafften Zugangsbarrieren und schwächten die gesundheitliche Chancengleichheit. Schon heute trügen viele milliardenschwere Eigenanteile.

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