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Nachhaltigkeit
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BfArM muss Informationen zu Umwelttoxizität herausgeben

Im Jahr 2018 klagte die Juristin und Umweltwissenschaftlerin Kim Teppe dagegen, dass Arzneimittelhersteller bisher keine Studienergebnisse aus Umweltrisikobewertungen veröffentlichen müssen, und forderte Informationen zu Umweltverhalten und -toxizität von Wirkstoffen. Erst im vergangenen Juli gab das Gericht ihr vollumfänglich Recht.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 18.12.2023  18:00 Uhr

Viele Wirkstoffe können Kläranlagen kaum zurückhalten

Auch der »Policy Brief« »Centre for Planetary Health Policy« (CPHP) und der Bucerius Law School hat analysiert, welche Auswirkungen die Klimakrise auf unser Wohlergehen und unsere Gesundheit hat. Das Arzneimittelwesen trage durch seine chemikalienintensive Produktion »erheblich« zu den Umwelt- und Klimabelastungen bei: Global gesehen sei die pharmazeutische Industrie für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die Automobilindustrie. 

Kontinuierlich gelangen Tonnen von Humanarzneimittelwirkstoffen und deren Abbauprodukte mit dem Abwasser über die Kläranlagen in die Umwelt – vor allem in die Gewässer – und können dort Schaden anrichten, wie das Umweltbundesamt (UBA) informiert. Mehr als 150 Wirkstoffe aus Arzneimitteln sowie Spurenstoffe aus anderen Bereichen sind demnach bislang bereits in deutschen Oberflächengewässern aufgetaucht.

Viele Wirkstoffe können auch Kläranlagen kaum zurückhalten. Tierarzneimittel gelangen überwiegend mit Mist und Gülle in Form von Dünger in die Umwelt. Derzeit liegen die gemessenen Konzentrationen der Wirkstoffe von Arzneimitteln nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) noch unterhalb der Dosierungen, die therapeutische Auswirkungen haben. Auch Tiere nehmen die Medikamentenrückstände über Nahrung, Haut und Schleimhäute auf, jedoch nur in geringen Konzentrationen. Es kann aber zu verändertem Verhalten und Fortpflanzungsstörungen kommen, was wiederum große Auswirkungen auf die Ökosysteme haben kann.

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