| Laura Rudolph |
| 23.01.2026 16:20 Uhr |
Häufig ist die Apotheke die erste Anlaufstelle bei Schlafstörungen, unter denen laut dem Robert-Koch-Institut rund jeder vierte Erwachsene in Deutschland leidet. / © Getty Images/Basak Gurbuz Derman
Wer an mindestens drei Nächten pro Woche für mindestens einen Monat schlecht schläft, leidet definitionsgemäß an einer Schlafstörung. Apothekerin Dr. Miriam Ude von der Stern-Apotheke in Bischofsheim betonte, dass Schlafqualität sehr subjektiv empfunden wird und im ambulanten Setting nur schwer objektiv ermittelbar ist.
Daher gilt es zunächst, im Beratungsgespräch festzustellen, ob überhaupt Handlungsdarf besteht. Gerade bei älteren Menschen, die tagsüber gerne ein Nickerchen einlegen oder regelmäßig vor dem Fernseher einschlafen, gilt: »Diese Zeiten muss man natürlich zur Gesamtschlafdauer dazuzählen, sodass unter Umständen gar keine so eklatante Schlafstörung vorliegt, wie vom Patienten angenommen.«
Dr. Miriam Ude / © PZ/Alois Müller
Liegt tatsächlich eine Schlafstörung vor, muss sie bei den meisten Patienten nicht direkt pharmakologisch therapiert werden. Gute Effekte habe die kognitive Verhaltenstherapie gezeigt, da Stress und Sorgen zwei der Hauptauslöser für schlechten Schlaf sind. »Allerdings bräuchten wir dafür extrem viele Therapieplätze – und wir wissen alle, wie das in der Realität aussieht«, kommentierte die Referentin. Als Alternative, um schneller Zugang zu verhaltensbasierten Maßnahmen zu erhalten, empfahl sie digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) wie HelloBetter Schlafen und Somnio, die auf Rezept oder privat abgerechnet werden können.
Zu den Klassikern unter den OTC-Schlafhelfern zählen ZNS-gängige H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin und Doxylamin. Sie stören allerdings die REM-Phasen und machen den Schlaf weniger erholsam. Außerdem sollten sie nur kurzzeitig (wenige Tage bis maximal zwei Wochen) angewendet werden. Aufgrund ihrer anticholinergen Effekte sind die beiden Antihistaminika für ältere Patienten weniger geeignet (FORTA-Liste: D, »vermeiden«).