Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Notfallkontrazeption
-
Beratung zur »Pille danach« in drei Schritten

Eine Beratungsroutine zur Notfallkontrazeption zu entwickeln, ist gar nicht so einfach. Vergleichsweise selten wird die Pille danach nachgefragt. Wann ist Levonorgestrel und wann Ulipristalacetat geeignet? Nicht immer passen beide Wirkstoffe grundsätzlich. Ein Beratungswissen-Update.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 12.07.2023  18:00 Uhr
Beratung zur »Pille danach« in drei Schritten

Bei der Abgabe muss das pharmazeutische Personal überprüfen, ob eine Einnahme sinnvoll und sicher ist. Grundsätzlich wird die Abgabe nur an die betroffene Frau mit persönlicher Beratung empfohlen. Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat dazu Handlungsempfehlungen herausgegeben. Danach gibt es zehn Fragen, die bei der Abgabe der Pille danach gestellt werden sollten:

  1. Wie alt sind Sie?
  2. Wieso benötigen Sie die Pille danach«?
  3. Wie lange liegt der ungeschützte Geschlechtsverkehr zurück?
  4. Wie verhüten Sie prinzipiell?
  5. Wie lange liegt Ihre letzte Periode zurück?
  6. Haben Sie die Pille danach (in diesem Zyklus) schon einmal eingenommen?
  7. Besteht die Möglichkeit, dass Sie schwanger sind?
  8. Stillen Sie aktuell?
  9. Nehmen Sie andere Medikamente ein?
  10. Leiden Sie unter akuten oder chronischen Krankheiten?

Stellt sich während der Beratung heraus, dass eine Abgabe nicht infrage kommt, sollte das pharmazeutische Personal der Kundin zu einem Besuch beim Gynäkologen raten. Dieser kann im Zweifelsfall oder auch wenn das Einnahmefenster für die Pille danach überschritten ist, eine Kupferspirale einsetzen. Das gilt als die sicherste Form der Notfallverhütung.

Schritt 1: Indikation klären

Um das geeignete Präparat in der Offizin wählen zu können, braucht das pharmazeutische Personal verschiedene Informationen. Die wichtigste dabei: »Wie lange liegt die Verhütungspanne zurück?« Hintergrund: Die zur Notfallverhütung eingesetzten Wirkstoffe Levonorgestrel und Ulipristalacetat verschieben durch ihre Aktivierung des Progesteronrezeptors den Anstieg des Luteinisierenden Hormons (LH) und damit den Eisprung um etwa fünf Tage. Da Spermien etwa fünf Tage überlebens- und befruchtungsfähig sind, wird durch die Pille danach Zeit gewonnen und ein Zusammentreffen von befruchtungsfähiger Eizelle und Spermien verhindert.

Levonorgestrel ist ein Gestagen und in Präparaten wie Pidana® und Unofem Hexal® enthalten. Ulipristalacetat ist ein selektiver Progesteron-Rezeptor-Modulator und Wirkstoff von EllaOne®, Femke® oder Lencya®.

Zulassungstechnisch ist die Abgabe von Levonorgestrel bis zu drei Tage und von Ulipristalacetat bis zu fünf Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsversagen gestattet.

Der Unterschied der beiden Wirkstoffe liegt in ihrem Wirkfenster. Ulipristalacetat hat ein längeres Wirkfenster von bis zu 120 Stunden im Vergleich zu Levonorgestrel von 72 Stunden. Ulipristalacetat wirkt auch noch in den fruchtbaren Tagen kurz vor dem Eisprung – nämlich, wenn der LH-Anstieg bereits begonnen hat. Levonorgestrel ist nur wirksam, solange der LH-Anstieg noch nicht eingesetzt hat. Kommt die Kundin später als fünf Tage nach der Verhütungspanne, ist die Pille danach nicht mehr indiziert.

Mehr von Avoxa