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Ängste reduzieren
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Auswege aus dem Ordnungszwang

Stehen Bücher nicht exakt im Regal oder Gewürzdosen nicht im richtigen Abstand zueinander, kann das innere Unruhe auslösen. Wann hinter dem ausgeprägten Hang zur Ordnung eine psychische Störung steckt, erläutern Psychologen.
AutorKontaktPZ
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Datum 23.03.2026  08:00 Uhr

Ein aufgeräumter Schreibtisch, ein aufgeräumter Schrank, eine aufgeräumte Wohnung – vielen tut es gut, für Ordnung zu sorgen und alles bestens sortiert zu haben. Äußere Ordnung kann auch für mehr innere Ruhe sorgen, so eine gängige Auffassung.

Keine Frage: »Ordnung schaffen vermittelt vielen ein Gefühl, dass man alles unter Kontrolle hat«, sagt Anne Katrin Külz, Psychologische Psychotherapeutin in Freiburg. Zudem sorge das Schaffen von Ordnung dafür, dass man sich als selbstwirksam empfindet. Man räumt auf und sieht das positive Resultat. Das könne durchaus zu Zufriedenheit und Wohlbefinden führen. Allerdings sei dies eine Frage des Typs: Manche fühlten sich auch in einem unaufgeräumten Umfeld wohl.

Bei manchen kann die Liebe zur Ordnung aber auch ins Negative umschlagen. Nämlich dann, wenn sie von einem ausgeprägten Drang zum Perfektsein begleitet wird. »Perfekt sein zu wollen, ist problematisch, weil es auf überhöhten und oft unerreichbaren Ansprüchen an die eigene Person beruht«, sagt Professor Lena Jelinek, die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter anderem zu Zwangsstörungen forscht.

Dieser Anspruch gehe häufig mit dauerhafter innerer Anspannung einher und erhöhe das Risiko für Angst und psychische Erkrankungen. Ordnung könne entlastend wirken – der Zwang zur Perfektion hingegen sei langfristig belastend und ungesund.

Ordnungsliebe oder psychische Störung

Mitunter kann hinter einem ausgeprägten Hang zur Ordnung auch eine psychische Störung stecken. Von Ordnungszwang ist die Rede, wenn jemand unter einem starken inneren Drang leidet, Gegenstände nach starren Regeln von Ordnung oder Symmetrie anzuordnen.

Külz, deren Schwerpunkt unter anderem auf der Behandlung von Zwangsstörungen liegt, nennt ein Beispiel: Jemand denkt, er muss alle Tassen im Schrank in einem bestimmten Abstand zueinander stellen. »Bleibt dies aus, kommt es zu extremer innerer Anspannung und Angst.«

Ordnungszwänge gehören laut Jelinek zu den Zwangsstörungen. Etwa zwei bis drei Prozent der gesamten Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens betroffen. Am häufigsten sind Waschzwänge, Kontrollzwänge und Ordnungszwänge.

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