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Gelbsuchttherapie

Lichtpyjama behandelt Neugeborene

08.11.2017  10:18 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Einen Pyjama aus lichtleitendem Gewebe zur Thera­pie von Neugeborenen-Gelbsucht haben Forscher der Eidgenössischen Material­prüfungs- und Forschungs­anstalt (EMPA) in der Schweiz entwickelt.

 

Das Tragen des Pyjamas kann die Therapie im Brutkasten ersetzen, berichten die Forscher um Dr. Maike Quandt im Fachjournal »Biomedical Optics Express« (DOI: 10.1364/BOE.8.004316). So kann der Säugling während der Therapie mit kurzwelligem Licht gestillt, gefüttert oder beschmust werden.

Gelbsucht kommt bei Neugeborenen relativ häufig vor, etwa 60 Prozent der Kinder sind betroffen. Die Ursache des Phänomens ist, dass beim Hämoglobin-Abbau so viel Bilirubin entsteht, dass die Leber mit dessen Entsorgung überfordert ist. Das giftige Abbauprodukt führt dann zu sichtbaren gelben Ablagerungen in der Haut. Gefährlich wird die Situation, wenn ein gewisser Schwellenwert überschritten wird und Bilirubin das Gehirn schädigt.

 

Um dies zu verhindern, erhalten betroffene Neugeborene eine Lichttherapie im Brutkasten. Lichtstärken um 30 Mikrowatt/cm2 im blauen Spektrum sorgen dafür, dass sich Bilirubin in eine lösliche Form verwandelt, die sich leicht abtransportieren lässt. Während der Lichttherapie befindet sich der Säugling nackt, allein und mit Augenschutz in einem Brutkasten. Um die Therapie den Bedürfnissen des Kindes besser anzupassen, kreierten die Forscher aus der Arbeitsgruppe von Dr. Luciano Boesel Textilien, in die optisch leitende Fasern eingewoben sind. Als Lichtquelle dienen batteriebetriebene LEDs.

 

Damit das blaue Licht im therapeutischen Bereich um 470 nm Wellen­länge aber nicht innerhalb der Fasern bleibt, sondern auf die Haut des Säuglings abgestrahlt wird, ermittelte Boesels Team den passenden Winkel, mit dem die Fasern beim Weben gebogen werden müssen. Die derart gewebten Textilien lassen sich zu einem Strampelanzug oder einem Schlafsack verarbeiten. Da diese das Licht lediglich nach innen abgeben, besteht keine Gefahr für die Augen.

 

Der Prototyp des Pyjamas strahlt zurzeit blaues Licht mit einer geringen Stärke ab. »Für die kommerzielle Produktion muss die Lichtstärke des Pyjamas noch etwas erhöht werden«, so Quandt. Hierzu müssten lediglich stärkere Leuchtdioden eingesetzt werden. /

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