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Zulassungsempfehlungen

Pradaxa-Antidot und LCZ696 in Sicht

Datum 29.09.2015  09:08 Uhr

Von Kerstin A. Gräfe / Mehrere Wirkstoffe haben vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel­agentur eine Zulassungsempfehlung erhalten. Darunter befinden sich mit Valsartan und Sacubitril (Entresto®) der erste Angiotensin­rezeptor-Neprilysin-Inhibitor sowie mit Idarucizumab (Praxbind®) das erste Antidot gegen ein neues orales Antikoa­gulans (NOAK).

Entresto enthält einen kristallinen Salzkomplex aus dem AT1-Rezeptorblocker Valsartan und dem Neprilysin-Inhibitor Sacubitril im Verhältnis 1:1. In den USA ist das Mittel bereits seit Juli zugelassen. Indiziert ist der auch unter dem Namen LCZ696 bekannte Wirkstoff bei Erwachsenen, die unter symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion leiden.

 

Das Wirkprinzip beruht auf einem dualen Mechanismus: Valsartan blockiert das Renin-Angiotensin-Aldosteronsystem, zusätzlich hemmt Sacubitril Neprilysin. Letzteres ist ein körpereigenes Enzym, das vor allem in der Niere, aber auch in der Lunge gebildet wird. Es baut verschiedene endogene vasoaktive Enzyme wie natriuretische Peptide oder Bradykinin ab und greift so in Signalwege ein, die unter anderem zu einer Verengung der Gefäße führen.

 

Die Zulassungsempfehlung basiert auf den Ergebnissen der Studie PARADIGM-HF. Sie wurde vorzeitig beendet, da unter Valsartan/Sacubitril im Vergleich zum bisherigen Goldstandard signifikant weniger kardiovaskuläre Todesfälle oder Klinikeinweisungen auftraten. Hersteller Novartis will En­tresto in mehreren Wirkstärken auf den Markt bringen: 24 mg/26 mg, 49 mg/51 mg und 97 mg/103 mg.

 

Wirkung von Dabigatran rasch aufgehoben

Ebenfalls mit besonderer Aufmerksamkeit erwartet wurde die Zulassungsempfehlung von Idarucizumab, einem Antidot für Dabigatran (Pradaxa®). Im Fall eines positiven EMA-Bescheids wäre Dabigatran das erste NOAK, für das ein spezifisches Antidot verfügbar ist. Idarucizumab ist ein vollständig humanisiertes Antikörper-Fragment, das spezifisch an Dabigatran-Moleküle bindet und dadurch deren antikoagulatorischen Effekt verhindert. Intravenös gegeben hebt es die Pradaxa-Wirkung innerhalb weniger Minuten auf.

 

Indiziert ist die Substanz bei Patienten mit unstillbarer Blutung unter Dabigatran, bei Patienten, die sich einer unaufschiebbaren Operation unterziehen müssen, sowie bei solchen, für die eine normale Hämostase notwendig ist und die Zeit nicht zum Absetzen von Dabigatran reicht. Der CHMP befürwortet den Einsatz der Substanz auf Krankenhäuser zu beschränken. Hersteller Boehringer Ingelheim will Praxbind als Lösung zur Injektion beziehungsweise Infusion in einer Konzen­tration von 5 g/50 ml vermarkten.

 

Zwei neue Medikamente gegen Krebs

 

Weitere Zulassungsempfehlungen gab es unter anderem für die beiden Krebsmedikamente Carfilzomib (Kyprolis®) und Blinatumomab (Blincyto®). Der Proteasom-Inhibitor Carfilzomib ist in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zur Behandlung des rezidivierten Multiplen Myeloms vorgesehen. Angewendet werden darf er bei Erwachsenen, die mindestens eine Therapie erfolglos durchlaufen haben. Hersteller Amgen will das Orphan Drug als 60 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung auf den Markt bringen.

 

Blinatumomab ist ein künstlicher, bispezifischer Antikörper (Bispecific T-Cell Engager, BiTE®), der gleichzeitig gegen den CD3-Rezeptor der T-Zellen und gegen das Oberflächenprotein CD19 der B-Zellen gerichtet ist. Auf diese Weise soll das Immunsystem gegen den Tumor aktiviert werden. Eingesetzt werden soll er bei Patienten mit einer bestimmten Form der akuten lymphatischen Leukämie, der Ph-rezidivierten/refraktären B-Vorläufer-ALL. /

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WirkstoffNOAK

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