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Uruguay

Grasgeflüster in der Apotheke

26.07.2017
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Von Anna Pannen und Sven Siebenand / In Uruguay hat vergangene Woche der legale Verkauf von Cannabis in Apotheken begonnen. Politiker von FDP und Grünen können sich ein solches Modell auch für Deutschland vorstellen.

Mit dem Startschuss für den Verkauf in Apotheken ist in Uruguay nun auch der letzte Schritt eines 2013 beschlossenen Legalisierungsprozesses erfolgt. Bislang war im Zuge dieses Vorhabens nur der Anbau von bis zu sechs Pflanzen zu Hause oder die Mitgliedschaft in einem Club geregelt, der gemeinschaftlich Hanfpflanzen anbaut und jedem Mitglied bis zu 480 Gramm Eigenkonsum im Jahr gestattet.

 

Nun ist ab sofort auch der Kauf von maximal 10 Gramm pro Woche und 40 Gramm pro Monat in Apotheken möglich. Alle drei Regeln gelten ab einem Alter von 18 Jahren und nur für Staatsbürger Uruguays oder Personen, die schon seit Langem in dem Land leben. Nach Angaben des nationalen Cannabis-Kontroll-Instituts sind bislang 4711 Bürger für den Kauf in der Apotheke registriert. 70 Prozent davon seien Männer und das Durchschnittsalter liege zwischen 30 und 45 Jahren. Ein Gramm Marihuana kostet für sie in den Apotheken 1,30 US-Dollar und ist damit günstiger als beim illegalen Dealer.

 

Im Gespräch mit der PZ zeigte sich Carlos José Lacava Fernández, Vizepräsident der Apotheker- und Chemikervereinigung Uruguays (Asociación de Química y Farmacia del Uruguay), überhaupt nicht glücklich über den Verkauf von Cannabis als Freizeitdroge in Apotheken. Von Anfang an seien die meisten Apotheker des Landes dagegen gewesen, sagte er. Derzeit könne Cannabis für medizinische Zwecke nicht in den Apotheken abgegeben werden, wohl aber Cannabis als Rauschdroge. Dieses sei jedoch kein Gesundheitsprodukt und habe damit nichts in der Apotheke zu suchen.

 

Nur wenige Apotheken

 

Damit eine Apotheke Marihuana an registrierte Nutzer abgeben darf, muss sie sich bei einem staatlichen Institut dafür anmelden. Nur 16 von etwa 1100 Betrieben haben dies laut Lacava Fernández bisher getan. Dies seien ausnahmslos Betriebe, die als Inhaber keinen Apotheker haben, also nur einen Apotheker als Verantwortlichen beschäftigen. Die Ware verkaufen diese Apotheken in einer Menge von jeweils 5 Gramm zum Preis von 6,50 US-Dollar, ein Drittel davon kann die Apotheke als Gewinn einstreichen. Zu- und Abgänge der Droge müssen die Apotheken in einem Register dokumentieren.

 

Nicht per Ausweis, sondern per Fingerabdruck müssen sich registrierte Nutzen in der Apotheke identifizieren. Erst danach darf der Verkauf der Ware erfolgen. Damit ist ausgeschlossen, dass sich Kunden in mehreren Betrieben mit Marihuana eindecken. Zudem sind Personen, die schon selbst zu Hause Pflanzen anbauen oder Mitglieder der genannten Cannabis-Clubs sind, vom Kauf der Droge in der Apotheke ausgeschlossen.

 

Diskussion in Deutschland

 

In Deutschland fordern derweil die ersten Politiker, auch hierzulande Cannabis in Apotheken zu verkaufen. So twitterte FDP-Chef Christian Lindner prompt: »Uruguay erlaubt den legalen Verkauf von Cannabis in Apotheken. Warum nicht auch in Deutschland? FDP wäre dabei.« Seine Parteikollegin Marie-Agnes Strack-Zimmermann schloss sich an: »Im Gegensatz zur Bundesregierung und zur Drogenbeauftragten Marlene Mortler hat Uruguay verstanden, wie vernünftige Drogenpolitik funktioniert«, schrieb die Politikerin in einem Statement.

 

Das derzeit geltende Verbot stärke den Schwarzmarkt, kritisierte Strack-Zimmermann. Würde Cannabis legal in Apotheken abgegeben, sei der illegale Verkauf dagegen nicht mehr lukrativ. Junge Konsumenten würden so nicht mehr über den Straßenhandel auch mit anderen Drogen in Kontakt kommen.

 

Wie zu erwarten plädieren auch die Grünen für eine Legalisierung ähnlich wie in Uruguay. Grünen-Politiker Dieter Janecek reagierte umgehend auf Linders Tweet. »Könnte man ja zum gemeinsamen Knackpunkt in möglichen Koalitionsverhandlungen machen«, schrieb er und spielte damit auf die Bundestagswahl im September an.

 

Ob andere Länder Uruguay mit Blick auf die Cannabis-Politik folgen werden, bleibt abzuwarten. Die Weltapothekerorganistion FIP steht einem Verkauf der Droge in Apotheken skeptisch gegenüber. »Apotheker sind Gesundheitsexperten mit einer wichtigen sozialen Rolle«, heißt es dort. Der Verkauf von Marihuana als Rauschdroge werfe die Frage auf, ob dies mit den Gesundheitsidealen der Gesellschaft vereinbar sei. /

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