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Prothesen

BVMed plädiert für Pflichtregister

Datum 26.07.2011  15:17 Uhr

Von Martina Janning, Berlin / Die Teilnahme am neuen Endoprothesenregister soll für alle Kliniken verpflichtend sein, fordert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed). Er räumt Fehler beim Bewerben von künstlichen Gelenken ein und will keine überzogenen Erwartungen mehr wecken.

Jedes Jahr wird rund 400 000 Deutschen ein künstliches Gelenk implantiert. Die genaue Zahl ist unbekannt, ebenso wie die Haltbarkeitsdauer der sogenannten Endoprothesen. Denn bisher gibt es dazu keine belastbaren Daten in Deutschland. Ein Register soll dies nun ändern.

 

Darauf haben sich die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie in Zusammenarbeit mit dem AOK-Bundesverband, dem Verband der Ersatzkassen und dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) verständigt.

 

Implantatebruch ist selten

 

Seit April realisiert das Institut für Qualität und Patientensicherheit (BQS-Institut) das neue Endoprothesenregister. Eine Teilnahme ist für die Krankenhäuser jedoch freiwillig.

 

Marc Michael von BVMed kritisiert das: »Es darf kein freiwilliges Register bleiben«, forderte er beim BVMed-Sommergipfel zum Thema »Künstliche Gelenke«, der vorige Woche in Berlin stattfand. Der Gesetzgeber müsse die Kliniken zur Teilnahme am Endoprothesenregister verpflichten. Das neue Register diene dazu, »möglichst frühzeitig eventuelle Mängel oder Komplikationen aufzuspüren«, erläuterte BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt. Für die Hersteller von Endoprothesen sei das Erfassen der Revisionsgründe am wichtigsten. Nur so ließen sich valide Aussagen über die Qualität von Endoprothesen und die ärztliche Implantationsleistung treffen. Als Hauptgründe für den vorzeitigen Austausch von Prothesen nannte Professor Dr. Michael Morlock von der Technischen Universität Hamburg-Harburg eine aseptische Lockerung und ein Auskugeln des Gelenks. Ein Implantatebruch komme nur sehr selten vor, sagte er.

 

Morlock warnte vor dem zu schnellen Einsatz neuartiger Materialien oder Verfahren in der Endoprothetik. »High Performance hat eine geringere Fehlertoleranz«, sagte er. Die klassischen Systeme seien hingegen »unglaublich erfolgreich«.

 

Eine zunehmend überzogene Erwartungshaltung an Hüft- und Knieendoprothesen beklagte Professor Dr. Thorsten Gehrke. »Früher wollten Patienten mit einem künstlichen Gelenk noch 20 Jahre schmerzfrei auf der Bank sitzen«, berichtete der Ärztliche Direktor der Endoklinik in Hamburg. Heutzutage fragten viele Patienten als Erstes: »Wann kann ich wieder Tennis spielen? Wann kann ich wieder zum Golf gehen?«

 

Diese Erwartungshaltung hätten die Hersteller durch ihr Marketing geschürt, kritisierte Gehrke. Er verwies auf Werbungen mit Patienten, die nach der Implantation von künstlichen Hüft- oder Kniegelenken Sportarten wie Joggen, Klettern oder Kampfsport ausüben.

 

»Übertriebenes Marketing«

 

In der Tat habe die Industrie ihr Marketing für Endoprothesen übertrieben und sehr viel versprochen, räumte Michael vom BVMed ein. »Wir müssen den Patienten sagen: Das ist ein Kunstgelenk, bei dem ist ein angemessener Lebensstil wichtig.«

 

Michael sprach sich außerdem dafür aus, die Weiterbildung der Implanteure zu verbessern. Die bloße Teilnahme an einer Fortbildung reiche als Qualifikation nicht aus. Er forderte einen zertifizierten Abschluss mit Wissenstest.

 

Wie wichtig Routine beim Operieren für die Qualität des Eingriffs ist, betonte Gehrke. »Der geniale Operateur ist ein Mythos«, sagte der Mediziner. »Es gibt nur den gut und den schlecht trainierten Operateur. Wer mehr operiert, der wird auch besser.« /

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