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Serie AMTS

Mit ATHINA in die Praxis

11.06.2014
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Von Katja Renner / Das Medikationsmanagement leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Arzneimitteltherapie­sicherheit (AMTS). Wie sich diese apothekerliche Dienstleistung in jeder Apotheke umsetzen lässt, zeigt ein praxisnahes Projekt der Apothekerkammer Nordrhein.

ATHINA – Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken – heißt das Konzept, das 2013 als Pilotprojekt mit 38 Apothekern startete. Es richtet sich insbesondere an Kollegen, die nicht in Klinischer Pharmazie ausgebildet wurden, und vermittelt eine strukturierte, systematische Vorgehensweise zum Erstellen eines Medikationsmanagements. Darüber hinaus erproben die Teilnehmer die Arbeitsmethodik praktisch anhand eines sogenannten Brown-Bag-Reviews. Apotheker in öffentlichen Apotheken werden im Rahmen von ATHINA speziell geschult, um

 

  • Arzneimittelinteraktionen und andere arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen, zu vermeiden oder zu minimieren,
  • dem Patienten die korrekte Dosierung und Einnahme/Anwendung seiner Arzneimittel zu vermitteln,
  • mit ihm zusammen den Grund für die Behandlung zu klären und damit
  • insgesamt die Adhärenz beim Patienten für seine Arzneimitteltherapie zu maximieren und
  • den Therapieerfolg sicherzustellen.

Nach der Definition des Pharmaceutical Care Netwerk Europe (PCNE) ist die Vorgehensweise nach ATHINA als ein intermediäres Medikationsmanagement einzuordnen. Die Medikationsanalyse basiert dabei auf den Medika­tionsdaten und den Angaben des Patienten und setzt die Kenntnisse von Laborwerten und ärztlichen Diagnosen ausdrücklich nicht voraus – eine Situation, die in den meisten Fällen der Realität in der Offizin entsprechen dürfte.

 

Vor der eigentlichen Analyse führt der Apotheker mit dem Patienten ein intensives Anamnesegespräch, in dem er dessen Kenntnisse über seine Erkrankungen, die Arzneimittelanwendung und arzneimittelbezogene Probleme in Erfahrung bringt. Falls vorhanden wird der Medikationsplan des Arztes auf seine Aktualität überprüft. Die Medika­tionsanalyse kann, muss aber nicht in einer kontinuierlichen Betreuung des Patienten im Sinne eines Medikationsmanagements fortgeführt werden.

 

Standardisierter Erfassungsbogen

 

Dreh- und Angelpunkt von ATHINA ist ein elektronischer Erfassungsbogen, der die systematische Aufnahme aller Arzneimittel eines Patienten erleichtert. Dieser bietet unter anderem Platz für Dosierungen, Indikationen und Prob­leme sowie deren Lösungsvorschläge und Maßnahmen seitens der Apotheke. Beim Ausfüllen des Bogens wird für den Patienten automatisch ein aktueller Medikationsplan erstellt und ausgedruckt. Dessen Format entspricht der Spezifikation für einen patientenbezogenen Medikationsplan gemäß dem Aktionsplan AMTS des Bundesgesundheitsministeriums. Er bedarf stets noch der Freigabe durch den Arzt.

 

Die Teilnehmer bearbeiten innerhalb von vier Monaten vier Patientenfälle und senden diese an die Projekt­koordinatorin der Kammer. Dabei steht ihnen ein Tutoren-Team zur Seite. Der erste Fall und bei Bedarf auch weitere Fälle jedes Teilnehmers werden von einem Tutor überprüft. Das Feedback der Tutoren beinhaltet konkrete fachliche Anmerkungen zum Patientenfall, Hinweise auf Leitlinien et cetera und dient den Apothekern als Qualitätssicherung. Alle ATHINA-Bögen werden in anonymisierter Form für eine spätere Auswertung bei der Koordinationsstelle dokumentiert.

 

Auch in den Kammern Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg finden ATHINA-Schulungen durch die nordrheinischen Referenten statt. Zusammen mit der Kammer Niedersachsen werden zudem gemeinsame Fallpräsentationen für ATHINA-Teilnehmer in Form von Webinaren angeboten. Dabei vermitteln die Referenten in 45-minütigen Schulungseinheiten anhand von realen Patientenfällen neueste Erkenntnisse zu diversen Indikationen und geben Empfehlungen für ein patientenorientiertes Medikationsmanagement. Bei der Auswertung der gesammelten Patientenfälle erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit anderen AMTS-Projekten, beispielsweise Apo-AMTS der Apothekerkammer-Westfalen Lippe (lesen Sie dazu auch PZ 43/2013, Seite 22) oder ARMIN der Bundesapothekerkammer.

 

Erste Ergebnisse

 

Obwohl die Daten der aktuellen ATHINA-Kurse noch nicht vollständig ausgewertet sind, lassen sich schon Tendenzen erkennen. In der Pilotstudie wurden die Medikationsanalysen von 180 Pa­tienten ausgewertet. 70 Prozent der betreuten Patienten waren zwischen 70 und 80 Jahre alt. Die Patienten nahmen im Durchschnitt 9,3 Medikamente regelmäßig ein, konnten aber nur in etwa der Hälfte der Fälle einen Medikationsplan vorweisen. Die Überprüfung der mitgebrachten Medikamente, das Erstellen des Medikationsplans und das Abschlussgespräch mit dem Patienten dauerten im Mittel 90 Minuten. Weitere Daten soll die gemeinsame Auswertung von mehr als 200 Fällen aus Niedersachsen und Nordrhein im Sommer ergeben.

 

Die Rückmeldungen der Teilnehmer und Patienten sind sehr positiv. In der Evaluation loben beide Seiten den Sicherheitsgewinn – die Patienten fühlen sich sicherer in ihrer Arzneimitteltherapie und die Apotheker gewinnen Sicherheit beim Medikationsmanagement. »Unser Ziel ist es, ATHINA in die Fläche zu bringen. Denn wir glauben, dass ein praktikables Medikations­management eine Dienstleistung ist, die unsere apothekerliche Kompetenz stärkt, den Berufsstand sichert – und einfach Spaß macht«, fasst Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, zusammen. /

Das Projekt ATHINA

Initiiert wurde ATHINA von einer Arbeitsgruppe des Fortbildungsausschusses der Apothekerkammer Nordrhein durch PharmD Bernd Dewald (Projektleiter), Wolfgang Gröning, Dörte Lange und Dr. Katja Renner mit Unterstützung des Landesbeauftragten für Pharmazeutische Betreuung und AMTS Manfred Krüger und der Geschäftsführung der Apothekerkammer. Weitere Informationen finden sich unter www.aknr.de/ATHINA.

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