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Erythropoietin und seine Nachkommen

29.05.2007  11:04 Uhr

Erythropoietin und seine Nachkommen

Von Daniela Biermann

 

Der Wachstumsfaktor Erythropoietin (Epo) ist durch die Doping-Bekenntnisse im Radsport der letzten Wochen in aller Munde. Dabei tritt die eigentliche Bedeutung als Arzneistoff zunehmend in den Hintergrund.

 

Doch für viele Krebs- und Dialyse-Patienten, die krankheitsbedingt eine Anämie aufweisen, ist Epo lebenswichtig: Der Wachstumsfaktor regt die Bildung der roten Blutkörperchen an und verlängert ihre Lebensdauer. Um die Therapie zu verbessern und Kosten zu senken, wird intensiv an der Weiterentwicklung von Epo geforscht.

 

Wegen des auslaufenden Patentschutzes für Epo stehen Biosimilars kurz vor der Zulassung. Sie haben dieselbe oder eine leicht veränderte Aminosäuresequenz wie endogenes Epo, weisen jedoch aufgrund rekombinanter Herstellung in unterschiedlichen Wirtssystemen ein verändertes Glykosylierungsmuster auf.

 

Stärker modifiziert sind Epo-Analoga, die pegyliert oder carbamyliert sind. Durch die Kopplung von Polyethylenglykol soll die rasche Ausscheidung über die Nieren vermieden werden. Ein vielversprechender Ansatz ist die Substanz Cera (Continuous Erythropoiesis Receptor Activator) von Roche, die sich derzeit in Phase-III-Studien befindet.

 

Epo-Mimetika dagegen sind nicht mit Epo strukturverwandt. Sie stimulieren den Epo-Rezeptor allosterisch. Es gibt mehrere Forschungsansätze mit peptidischen und nicht-peptidischen Substanzen. Bis in eine Phase-II-Studie hat es bis jetzt lediglich HematideTM von der US-amerikanischen Firma Affymax geschafft.  Das dimerische Peptid ist ebenfalls pegyliert.

 

Einen gänzlich anderen Ansatz verfolgt das US-amerikanische Unternehmen FibroGen. Unter der Bezeichnung »FG-2216« entwickelt es einen Inhibitor der Prolylhydroxylase, infolgedessen das Epo-Gen überexprimiert wird.

 

Die Kehrseite der Medaille

 

Der therapeutische Fortschritt birgt jedoch auch neues Missbrauchpotenzial in sich. Denn während herkömmliche Präparate mit entsprechenden Kontrollen im Blut oder Urin nachgewiesen werden können, existieren für die neuartigen Substanzen noch keine Tests. So gehen Dopingexperten wie Professor Dr. Werner W. Franke vom Deutschen Krebsforschungszentrum der Universität Heidelberg davon aus, dass einige der Neuentwicklungen im Sport bereits in Gebrauch sind, wie in einem Interview mit der taz vom 24. Mai zu lesen war. Ungewiss bleibt derzeit, ob diese Substanzen bereits zu Dopingzwecken in Gebrauch sind und falls ja, aus welchen Quellen sie bezogen werden.

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