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Alternative zur Lesebrille?
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Augentropfen gegen Alterssichtigkeit

Können pupillenverengend wirkende Augentropfen eine Alternative zur Lesebrille sein, wenn im mittleren Lebensalter das Nahsehen zunehmend Schwierigkeiten macht? Ein Ophthalmologe sieht die derzeit nur in den USA zugelassenen Präparate differenziert.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 29.09.2026  18:00 Uhr

Fast jeder Mensch bekommt im Alter eine sogenannte Alterssichtigkeit. Dieser Zustand, auch Presbyopie genannt, erschwert das Scharfstellen auf nahe Objekte und Texte. Die Schwierigkeiten bei der Nahakkommodation setzen häufig schon ab Mitte Vierzig ein. »Diese Situation verschärft sich bis etwa Mitte Fünfzig, bis dann mehr oder weniger der finale Nahbedarf von 3 Dioptrien erreicht ist«, machte Professor Dr. Gerd-Uwe Auffarth von der Universitätsaugenklinik Heidelberg bei einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) deutlich.

Neben den klassischen Lese- oder Gleitsichtbrillen haben sich in den vergangenen Jahren dauerhaft implantierte Trifokallinsen etabliert. Laut dem Augenarzt zählen sie mittlerweile zum Standardrepertoire, um Presbyopie zu beheben. Bei dem chirurgischen Eingriff können gleichzeitig Kurz- oder Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmungen korrigiert und somit eine Brillenunabhängigkeit erreicht werden.

Auffarth sensibilisierte dafür, derartige Kunstlinsen nicht zu früh zu implantieren. »Eine solche Operation ist erst dann zu empfehlen, wenn eine altersbedingt ohnehin ablaufende hintere Glaskörperabhebung abgeschlossen ist. Dabei löst sich der Glaskörper, der das Auge ausfüllt, von der Netzhaut. Das ist aber erst mit Fünfzig oder Mitte Fünfzig der Fall. Wird der Eingriff zu früh durchgeführt, drohen Netzhautablösungen und andere schwerwiegende Komplikationen«, warnte er. Demzufolge bestehe in den ersten zehn Jahren der Alterssichtigkeit »eine gewisse Lücke, die Betroffenen zufriedenstellend zu versorgen«.

Alte Arzneistoffe, neue Indikation

In den USA gewinnt die pharmakotherapeutische Korrektur der Alterssichtigkeit zunehmend an Beliebtheit. Mit Pilocarpin (Vuity®) – schon lange aus der Glaukomtherapie bekannt – kam 2021 ein erstes Präparat in der Indikation Presbyopie auf den Markt. In die Augen getropft, wirkt das Alkaloid als direktes Parasympathomimetikum miotisch, verengt also die Pupille. »Durch diesen Türschlosseffekt verbessert sich die Tiefenschärfe, also die Nahsicht. Teilweise kann auch noch eine Restakkommodation der Augenlinse positiv beeinflusst werden«, erklärte der Referent.

Dasselbe Wirkprinzip haben Augentropfen mit Aceclidin (Vizz™) und die Wirkstoffkombination aus Carbachol und Brimonidintartrat (Yuvezzi™) – beide erst vor Kurzem von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA bei Presbyopie zugelassen. Die beiden letztgenannten Arzneistoffe sind als Monopräparate ebenfalls schon lange in der Glaukomtherapie zu Hause.

Auffarth verwies auf mögliche Nebenwirkungen, die aus der miotischen Wirkung der Arzneistoffe resultieren: Der Lichtverlust führt zu eingeschränktem Sehvermögen, vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen. Daraus folgt die Fahruntüchtigkeit in der Dunkelheit. Daneben könnten die aus der Glaukomtherapie bekannten Augenreizungen, Rötungen und Schmerzen zumindest zu Beginn der Therapie auftreten.

Zwischenlösung bis zum Linsentausch

Abhängig vom eingesetzten Präparat existierten verschiedene Tropfschemata. Auch die Dosis sei noch nicht ganz ausgereift, bemerkte der Experte. Die Neuzugänge auf dem US-Markt werden zum Teil morgens und abends appliziert – »um zu erreichen, dass man einen etwas länger anhaltenden Effekt hat, um in der Nähe und in der Ferne gut sehen zu können«. Pilocarpin-haltige Augentropfen werden dagegen situativ eingesetzt, also zwei bis drei Stunden, bevor man brillenunabhängig sein möchte, eingeträufelt. »Wer also um 20 Uhr die Speisekarte im Restaurant ohne Lesebrille entziffern können will, muss um 17 Uhr tropfen.«

In der EU sind bislang keine Ophthalmika für diese Indikation zugelassen. Laut dem Referenten seien aber Anträge bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gestellt. »Derzeit können die Tropfen hierzulande nur off Label genutzt werden.«

Der ärztliche Direktor der Universitätsaugenklinik Heidelberg wertet die Pharmakotherapie zwar nicht als Allheilmittel gegen die Alterssichtigkeit, aber »als probates Hilfsmittel, dessen Nebenwirkungen reversibel sind. Es ist quasi eine probate Zwischenlösung, bis eine Kunstlinsen-OP durchgeführt werden kann. Das könnte auch von verfrühten chirurgischen Eingriffen abhalten und so Langzeitfolgen vermeiden helfen«.

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