Abhängig vom eingesetzten Präparat existierten verschiedene Tropfschemata. Auch die Dosis sei noch nicht ganz ausgereift, bemerkte der Experte. Die Neuzugänge auf dem US-Markt werden zum Teil morgens und abends appliziert – »um zu erreichen, dass man einen etwas länger anhaltenden Effekt hat, um in der Nähe und in der Ferne gut sehen zu können«. Pilocarpin-haltige Augentropfen werden dagegen situativ eingesetzt, also zwei bis drei Stunden, bevor man brillenunabhängig sein möchte, eingeträufelt. »Wer also um 20 Uhr die Speisekarte im Restaurant ohne Lesebrille entziffern können will, muss um 17 Uhr tropfen.«
In der EU sind bislang keine Ophthalmika für diese Indikation zugelassen. Laut dem Referenten seien aber Anträge bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gestellt. »Derzeit können die Tropfen hierzulande nur off Label genutzt werden.«
Der ärztliche Direktor der Universitätsaugenklinik Heidelberg wertet die Pharmakotherapie zwar nicht als Allheilmittel gegen die Alterssichtigkeit, aber »als probates Hilfsmittel, dessen Nebenwirkungen reversibel sind. Es ist quasi eine probate Zwischenlösung, bis eine Kunstlinsen-OP durchgeführt werden kann. Das könnte auch von verfrühten chirurgischen Eingriffen abhalten und so Langzeitfolgen vermeiden helfen«.