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DAV-Wirtschaftsforum
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»Auch das Card-Link-Verfahren ist nicht 100-prozentig sicher«

Wie hat sich die Digitalisierung in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie sieht die Zukunftsvision aus? Wann kommt die Telematikinfrastruktur 2.0? Über diese Themen informierte Kim Nguyen, Senior Vice President Innovations bei der Bundesdruckerei, heute beim DAV-Wirtschaftsforum in Potsdam. Dabei machte er deutlich, dass er das Card-Link-Verfahren für »risikobehaftet« hält.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 24.04.2024  15:16 Uhr
»Auch das Card-Link-Verfahren ist nicht 100-prozentig sicher«

Seit 22. März liegt die Spezifikation für das Card-Link-Verfahren vor. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hatte den vierten Weg für das Einlösen von E-Rezepten mit seiner Mehrheit in der Gematik durchgesetzt. Versender wie DocMorris haben bereits die Zulassung dafür erhalten. Das Card-Link-Verfahren sei ein »heißes Thema«, kommentierte IT-Experte Nguyen beim DAV-Wirtschaftsforum. »Man wird schauen müssen, wie es sich bewährt.« Es werde ein begleitendes Risikomanagement nötig sein. »Allerdings ist nichts 100-prozentig sicher«, schränkte Nguyen ein. Der Mathematiker und Physiker leitet seit Januar dieses Jahres den Bereich Innovations bei der Bundesdruckerei.

Beim DAV-Wirtschaftskongress referierte Nguyen über das Thema »Digitalisierung und Evolution sicherer Identitäten«. Dabei machte er deutlich, dass Digitalisierung nicht ohne sichere, vertrauenswürdige digitale Identitäten denkbar sei. Im Gesundheitswesen spielten diese bei der Registrierung für die elektronische Patientenakte (EPA) und bei der Identifizierung für den elektronischen Heilberufsausweis eine Rolle.

Seit 2010 biete die Bundesdruckerei den Online-Personalausweis an. Mittlerweile sei bereits bei über 86 Prozent der Personalausweise die Onlinefunktion aktiviert. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Anwendungsfälle auf etwa 16 Millionen hochgeschnellt. Doch was die Akzeptanz und Nutzung angehe, gebe es noch Luft nach oben. »2010 haben wir gedacht, dass das neue System die Welt revolutionieren wird«, sagte Nguyen. Seitdem tue sich Deutschland aber mit der Umsetzung der Digitalisierung schwer. »Nun müssen wir dafür sorgen, dass das System der sicheren, vertrauenswürdigen digitalen Identitäten auch genutzt wird«, betonte er.

EU-Kommission plant »digitale Brieftasche«

Nguyen informierte auch über die Pläne und den Stand der Digitalisierung auf europäischer Ebene. So plant die EU-Kommission laut der »eIDAS 2.0«-Verordnung, in den nächsten drei bis vier Jahren einen digitalen Identitätsraum mit einem hohen Vertrauensniveau in Europa zu schaffen. Die Verordnung enthalte konkrete Verpflichtungen und Fristen. Die europäische digitale Identität soll dann in einer digitalen Brieftasche, einem sogenannten Wallet, enthalten sein. In diesen Wallets sollen nicht nur die digitale Identität eines Menschen gespeichert werden können, sondern auch bestimmte Attribute, etwa Doktortitel, Funktionen oder Aufgaben. Dies werde künftig immer wichtiger werden. Darüber hinaus sollen die Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit erhalten, mit der »Brieftasche« qualifiziert zu signieren. »Das ist ein Meilenstein«, so Nguyen.

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