Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

DAV-Wirtschaftsforum
-
»Auch das Card-Link-Verfahren ist nicht 100-prozentig sicher«

Wie hat sich die Digitalisierung in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie sieht die Zukunftsvision aus? Wann kommt die Telematikinfrastruktur 2.0? Über diese Themen informierte Kim Nguyen, Senior Vice President Innovations bei der Bundesdruckerei, heute beim DAV-Wirtschaftsforum in Potsdam. Dabei machte er deutlich, dass er das Card-Link-Verfahren für »risikobehaftet« hält.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 24.04.2024  15:16 Uhr

TI 2.0 soll mehr Flexibilität ermöglichen

Der Experte ging auch auf die Telematikinfrastruktur 2.0 ein. Ziel sei es, die Hardware abzuschaffen. »Man will das Thema digitale Identität weiterführen. Die Karte wird aus dem System entfernt, der Zugriff soll über Apps erfolgen«, erläuterte Nguyen. Dabei sollen Zero-Trust-Sicherheitssysteme greifen, bei denen sich jedes Gerät einzeln beweisen müsse. Das System solle sicher sein und eine flexiblere Handhabung ermöglichen. »Es soll schnell kommen«, machte er deutlich. Die Gesundheits-ID für Versicherte gebe es bereits. Mitte 2024 soll die Spezifikation für digitale Identitäten für Leistungserbringer vorliegen, Ende 2025 sollen diese verfügbar sein. Ab 2026 müsse eine Angleichung mit der europäischen »Brieftaschen«-Lösung erfolgen.

Nguyen gab auch einen Ausblick auf den Zeitplan bei der Einführung der virtuellen Heilberufsausweise. Mit der E-Rezept-Pflicht sei der Einsatz kartenbasierter Identitäten bereits gestartet. Von 2025 bis 2028 sei ein Parallelbetrieb kartenbasierter und digitaler Identitäten geplant, sowie ein sukzessiver Umbau zur TI 2.0. Ab dem Jahr 2029 und später solle eine Harmonisierung mit dem europäischen digitalen Brieftaschen-Konzept erfolgen.

Einen kurzen Überblick gab der Experte zudem über die derzeitigen Anwendungen der TI. Dazu gehörten derzeit die EPA, das E-Rezept, KIM (Kommunikation im Medizinwesen) sowie der elektronische Medikationsplan.

Gesellschaftlicher Diskurs nötig

»Technisch ist schon ganz viel möglich«, resümierte Nguyen. Dass die Digitalisierung in Deutschland eher schleppend vorankomme, habe eher gesellschaftliche Gründe. Es gebe große Vorbehalte und keine einheitliche Sicht auf das Thema. »Nötig ist ein gesellschaftlicher Diskurs«, betonte er. Dabei müsse auch geklärt werden, welche Anwendungen für wen Pflicht sein sollen.

Mehr von Avoxa