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Coronavirus-Impfstoff
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Auch attenuiertes Gelbfiebervirus kommt als Vektor infrage

Die Gruppe vielversprechender Impfstoffkandidaten zum Schutz vor Covid-19 wird aktuell durch einen interessanten neuen Impfstofftyp erweitert: Belgische Wissenschaftler stellen einen Impfstoff auf Basis eines attenuierten Gelbfiebervirus-Vektors vor.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 03.12.2020  12:00 Uhr

In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals »Nature« beschreiben Forscher um Lorena Sanchez-Felipe von der Universität Leuven in Belgien erste Untersuchungen mit einem SARS-CoV-2-Impfstoffkandidaten, der sich von einem attenuierten Gelbfiebervirus-Vektor (YF17D) ableitet. Dies ist insofern bemerkenswert, als die bisherigen Vektor-Impfstoffe aus der ersten Entwicklungsreihe ausnahmslos auf inaktivierten, das heißt nicht replikationsfähigen Viren basieren. Andererseits ist der Vektor YF17D kein unbekanntes Transfersystem. Es wird als Vektor in zwei zugelassenen Humanimpfstoffen verwendet: dem Japanische-Enzephalitis-Impfstoff Imojev® und dem Dengue-Impfstoff Dengvaxia®. In diesen sind Gene, die für die YF17D-Oberflächenantigene kodieren, entweder gegen ein Oberflächenprotein des Japanischen Enzephalitis-Virus oder gegen Oberflächenproteine verschiedener Dengue-Viren ausgetauscht.

Analog zu fast allen anderen SARS-CoV-2-Impfstoffentwicklungen enthält auch der neue Impfstoffkandidat die Information für eine nicht spaltbare Präfusionsform des viralen Spike-Proteins als Antigen.

Die Wissenschaftler testeten die Sicherheit, Immunogenität und Wirksamkeit ihres Impfstoffs YF-S0 in verschiedenen Tiermodellen. Dabei zeigte sich ein hervorragendes Sicherheitsprofil. Zudem induzierte YF-S0 die Bildung großer Mengen an neutralisierenden Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in Hamstern, Mäusen und Makaken. Dies könnte bedeuten, dass der Impfstoff tatsächlich vor einer Infektion schützen könnte, eine Eigenschaft, die bisher noch keine der fortgeschrittenen Impfstoffentwicklungen für sich beanspruchen kann.

Tatsächlich verhinderte YF-S0 sowohl in einem stringenten Hamstermodell als auch bei nicht humanen Primaten eine Infektion mit SARS-CoV-2. Und im Hamstermodell etablierte sich bei den meisten geimpften Tieren mit einer einzigen Dosis innerhalb von zehn Tagen ein Schutz vor einer schweren Lungenerkrankung. Wichtig ist auch, dass die humorale Immunität durch eine günstige Th1-Immunantwort vermittelt wurde, wie man in Mäusen zeigen konnte.

Nachvollziehbar schlussfolgern die Autoren, dass die Qualität der ausgelösten Immunreaktionen und die schnelle Kinetik, mit der eine schützende Immunität bereits nach einer einzigen Dosis aufgebaut wird, eine weitere Entwicklung dieses potenten Impfstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2 rechtfertigt.

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