Pretomanid|Dovprela®|80|2026 |
Viatris
200 mg Tabletten
Dovprela in Kombination mit Bedaquilin, Linezolid und Moxifloxacin ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit pulmonaler Tuberkulose (TB) durch Mycobacterium tuberculosis mit Resistenz gegen Rifampicin, mit oder ohne Resistenz gegen Isoniazid.
Dovprela in Kombination mit Bedaquilin und Linezolid ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit pulmonaler TB durch M. tuberculosis mit Resistenz gegen Rifampicin und ein Fluorchinolon, mit oder ohne Resistenz gegen Isoniazid.
Pretomanid ist ein Reserveantibiotikum. Vermutlich hemmt es unter aeroben Bedingungen die Synthese von Zellwandlipiden und unter anaeroben Bedingungen die Bildung reaktiver Stickstoffspezies. Das Molekül muss in der Bakterienzelle durch eine mykobakterielle Nitroreduktase reduktiv aktiviert werden, damit es wirksam wird. Dies ist eine Achillesferse des Wirkstoffs. Die intrazelluläre Aktivierung von Pretomanid ist abhängig von Enzymen, die durch fünf Gene codiert werden. Mutationen in einem dieser Gene wurden in vitro mit einer ausgeprägten Resistenz gegenüber Pretomanid in Verbindung gebracht. Allerdings gibt es mindestens einen weiteren Resistenzmechanismus. Pretomanid zeigt keine Kreuzresistenz mit anderen Antituberkulose-Mitteln außer Delamanid.
Die Medikation sollte unter direkter Beobachtung der Einnahme (Directly Observed Therapy, DOT) oder entsprechend den örtlichen Gepflogenheiten verabreicht werden.
Die empfohlene Dosierung beträgt 200 mg Pretomanid einmal täglich zu einer Mahlzeit. Die Therapie dauert 26 Wochen und kann auf 39 Wochen verlängert werden.
Jede versäumte Dosis der Kombitherapie mit Bedaquilin, Pretomanid oder Moxifloxacin sollte am Ende der Therapie nachgeholt werden. Linezolid-Dosen, die aufgrund von Linezolid-Nebenwirkungen ausgelassen wurden, werden nicht nachgeholt.
Unter der Therapie kann es zu einer Verlängerung des QTc-Intervalls kommen. Vor Beginn und während der Kombitherapie sollte daher mindestens einmal monatlich ein EKG aufgezeichnet werden. Die Kalium-, Calcium- und Magnesiumwerte im Serum sollten zu Beginn der Behandlung erfasst und gegebenenfalls korrigiert werden.
Es kann eine Dosisanpassung oder Unterbrechung der Gabe von Linezolid erforderlich sein, um die bekannten Toxizitäten des Antibiotikums zu behandeln. Dazu zählen Myelosuppression, periphere Neuropathie, Optikusneuropathie sowie Laktatazidose.
Pretomanid kann einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben. Manche Patienten berichteten über Schwindelgefühl oder Sehstörungen.
Da die Anti-TB-Kombitherapie hepatotoxisch wirken kann, sind die Leberfunktionswerte regelmäßig zu überwachen. Die Patienten sollten Alkohol und hepatotoxische Arzneimittel meiden.
Pretomanid wird zum Teil durch CYP3A4 metabolisiert. Außerdem ist es ein Induktor von CYP2C8 und hemmt in vitro das Transportprotein OAT3. Um eine verminderte therapeutische Wirkung von Pretomanid infolge einer verringerten systemischen Exposition zu vermeiden, sollte die gleichzeitige Anwendung mit mäßigen oder starken CYP3A4-Induktoren vermieden werden.
Die häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen unter einer BPaL-Behandlung waren Übelkeit, Erbrechen und erhöhte Transaminasen. Dies sind mögliche Nebenwirkungen von allen drei Arzneistoffen. Es traten auch periphere Neuropathie und Anämie auf, die bekannte Nebenwirkungen von Linezolid sind. Die häufigsten Nebenwirkungen unter der Viererkombi BPaLM waren erhöhte Transaminasen und Verlängerung des QTc-Intervalls.
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.
Es wurden mehrere Studien mit einer Pretomanid-Kombitherapie bei Patienten mit extensiv oder multiresistenter (XDR oder MDR) Lungen-TB durchgeführt. In der offenen Nix-TB-Studie (DOI: 10.1056/NEJMoa1901814) erhielten 109 Patienten das Behandlungsregime BPaL über sechs oder neun Monate und wurden 24 Monate lang nachbeobachtet. Die Anfangsdosis von Linezolid betrug 600 mg zweimal täglich oder 1200 mg einmal täglich. Primärer Endpunkt war ein bakteriologisches oder klinisches Therapieversagen. Dies erlebten 8 Prozent der Gesamtgruppe, während 92 Prozent ansprachen.
In der ZeNix-Studie (DOI: 10.1056/NEJMoa2119430) mit 181 Patienten, die BPaL bekamen, hatten nach 26 Wochen 10,7 Prozent der Gesamtgruppe ein Therapieversagen und nahezu 90 Prozent ein Therapieansprechen.
In der unverblindeten kontrollierten Nichtunterlegenheitsstudie TB-PRACTECAL (DOI: 10.1056/NEJMoa2117166) wurden Patienten mit Rifampicin-resistenter TB eingeschlossen. Dabei wurde ein BPaLM-Behandlungsarm verglichen mit der Standardbehandlung gemäß WHO, die allerdings im Lauf der Studienjahre wechselte. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war ein ungünstiger Status (Kombination aus Tod, Therapieversagen, Behandlungsabbruch, Nichterreichbarkeit für die Nachbeobachtung oder Wiederauftreten von TB) 72 Wochen nach der Randomisierung. In der modifizierten Intent-to-treat-Population wiesen 56 von 137 Patienten unter Standardbehandlung (40,9 Prozent) und 16 von 138 Patienten in der BPaLM-Gruppe (11,7 Prozent) einen ungünstigen Status auf.
Bei der Lagerung von Dovprela sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten. Dovprela ist verschreibungspflichtig.
Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).
Schwangere Frauen sollen Pretomanid nur dann erhalten, wenn der Nutzen für die Patientin das mögliche Risiko für das ungeborene Kind überwiegt. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Pretomanid unterbrochen wird.
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Letzte Aktualisierung: 10.07.2026