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ARZNEISTOFFE

Delamanid|Deltyba®|80|2014

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STOFFGRUPPE
80 Tuberkulosemittel
WIRKSTOFF
Delamanid
FERTIGARZNEIMITTEL
Deltyba®
HERSTELLER

Otsuka Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2014
DARREICHUNGSFORM

50 mg Filmtabletten

Indikationen

Deltyba ist zur Anwendung im Rahmen einer geeigneten Kombinationsbehandlung der multiresistenten Lungentuberkulose (MDR-TB) bei erwachsenen Patienten indiziert, wenn eine andere wirksame Behandlung aufgrund von Resistenzen oder aus Gründen der Verträglichkeit nicht zusammengestellt werden kann. Bei MDR-TB sind die Erreger definitionsgemäß gegen Rifampicin und Isoniazid resistent, jedoch empfindlich gegen Fluorchinolone und injizierbare Zweitlinientherapeutika.

Wirkmechanismus

Delamanid hemmt die Synthese der Methoxy- und Ketomykolsäure. Diese langkettigen, verzweigten Fettsäuren sind Zellwandbestandteile des Tuberkuloseerregers. Obwohl auch andere Tb-Mittel wie Isoniazid und Ethambutol die mykobakterielle Zellwandsynthese als Angriffspunkt haben, besitzt Delamanid mit keinem derzeit verwendeten Anti-Tb-Wirkstoff eine Kreuzresistenz. In vitro war die Häufigkeit spontaner Resistenzen vergleichbar mit der gegen Isoniazid und höher als für Rifampicin.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Dosierung von Delamanid beträgt 100 mg zweimal täglich über 24 Wochen. Danach sollen die anderen Arzneimittel der Kombitherapie gemäß den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter gegeben werden.

 

Die Einnahme von Delamanid sollte zu einer Mahlzeit erfolgen, da das die Bioverfügbarkeit im Vergleich zur Nüchterneinnahme um fast das Dreifache erhöht.

Wichtige Wechselwirkungen

In geringerem Ausmaß als durch Albumin wird Delamanid auch durch CYP3A4 metabolisiert, weshalb bei gleichzeitiger Anwendung starker Induktoren dieses Enzyms ein Wirkverlust zu befürchten ist. Dies bestätigte sich in Wechselwirkungsstudien mit gesunden Probanden: Rifampicin reduzierte die Delamanid-Exposition um bis zu 45 Prozent. Zusammen mit dem schwachen CYP3A4-Induktor Efavirenz wurde dagegen keine klinisch relevante Reduktion der Delamanid-Exposition beobachtet. Wurde Delamanid mit dem HIV-Therapeutikum und starken CYP3A4-Hemmer Ritonavir kombiniert, war der Plasmaspiegel des Tuberkulosemittels leicht erhöht.

Nebenwirkungen

Art und Häufigkeit von Nebenwirkungen von Delamanid wurden in einer kontrollierten, doppelblinden klinischen Studie mit insgesamt 481 Patienten mit MDR-TB erfasst. 321 von ihnen erhielten Delamanid in Kombination mit einer OBR. Diese Datenbasis reicht nach Angaben des Herstellers nicht aus, um klar zwischen der OBR-Therapie und Delamanid als Ursache für die beobachteten Nebenwirkungen zu unterscheiden. Eindeutig ließ sich jedoch eine Verlängerung des QT-Intervalls im EKG als herausragendes Sicherheitsproblem bei der Therapie mit Delamanid identifizieren.

 

Diese Nebenwirkung trat unter Delamanid/OBR bei 9,9 Prozent der Patienten auf, unter Placebo/OBR bei 3,8 Prozent. Der Wirkstoff wird überwiegend durch Albumin im Plasma metabolisiert, eine Hypoalbuminämie erhöht dementsprechend das Risiko für eine QT-Zeit-Verlängerung. Weitere wichtige Nebenwirkungen sind Angstzustände, Parästhesien und Tremor; am häufigsten treten Übelkeit (38,3 Prozent), Erbrechen (33 Prozent) und Schwindel (30,2 Prozent) auf.

 

Aufgrund des kardialen Risikos soll vor Therapiestart und dann während der Behandlung mit Delamanid monatlich ein EKG erstellt werden, bei vorbestehenden Risikofaktoren noch häufiger. Wird ein QTCF von > 500 ms gemessen, soll Delamanid abgesetzt werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Patienten, deren Serum-Albumin < 2,8 g/dl liegt, und Patienten, die starke CYP3A-Induktoren (zum Beispiel Carbamazepin) einnehmen, sollten Delamanid nicht anwenden. Da der Wirkstoff nahezu nicht renal eliminiert wird, erfordert eine leichte bis mittelschwere Nierenfunktionsstörung keine Dosisanpassung. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung wird die Anwendung nicht empfohlen, ebensowenig bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die bisher verfügbaren Daten zur Wirksamkeit von Delamanid sind spärlich: In einer einzigen doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten 161 Patienten mit MDR-TB acht Wochen lang Delamanid 100 mg zweimal täglich zusammen mit einer optimierten Basistherapie (OBR) gemäß WHO-Empfehlung. Erfasst wurde, bei wie vielen Patienten, in deren Sputum zu Beginn Tb-Erreger nachweisbar waren, diese innerhalb von zwei Monaten verschwanden (Zweimonats-Sputumkonversionsrate). Diese betrug abhängig vom Nährmedium des Probengefäßes unter Delamanid plus OBR 45,4 bis 53,8 Prozent gegenüber 29,6 bis 33,6 Prozent unter OBR plus Placebo.

Hintergrundinfos

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA stufte Delamanid als Orphan Drug ein und erteilte eine Zulassung unter besonderen Bedingungen. Das bedeutet, dass Hersteller Otsuka den Nutzen mit weiteren Studien belegen muss. Zum Einsatz bei Kindern und Jugendlichen sowie bei älteren Patienten über 65 Jahre gibt es noch keine Daten.


Auch die Behandlung von Patienten, bei denen die Tuberkuloseerreger nicht die Lunge, sondern beispielsweise das zentrale Nervensystem oder die Knochen befallen haben, wurde noch nicht untersucht.

Besonderheiten

Deltyba ist in der Originalverpackung aufzubewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

Deltyba ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Delamanid

Delamanid

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Delamanid.wrl

Weitere Hinweise

In Tierexperimenten wirkte Delamanid reproduktionstoxisch, daher müssen Frauen im gebärfähigen Alter unter Delamanid-Therapie zuverlässig verhüten.

Packshot

Vorläufige Bewertung

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Letzte Aktualisierung: 13.07.2016