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Expertenmeinung
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Antiseptische Nasenspüllösungen zum Schutz vor Covid-19

Die Idee ist einleuchtend: Die Nase ist die Eintrittspforte von SARS-CoV-2 in den Körper – somit könnte eine antiseptische Nasenspülung möglicherweise vor einer Infektion schützen. Doch gibt es einige offene Fragen bei diesem Ansatz: Wie wirksam und verträglich könnte solch eine Spülung wohl sein und welche Wirkstoffe kommen dafür in Frage? Der HNO-Arzt Professor Dr. Rainer Weber gab gegenüber der PZ eine Einschätzung.
AutorKontaktCarolin Lang
Datum 26.11.2020  14:00 Uhr

Patent aus bayerischer Apotheke

Die beiden Apotheker Dr. Berthold Pohl und Dr. Florian Matl sowie der Pharmazeutisch-technische Assistent Christian Fleischhammel aus der Max-Weber-Platz-Apotheke in München haben sich der Thematik ebenfalls angenommen. Gemeinsam entwickelten sie eine Darreichungsform für solch eine Nasenspülung, wie sie Mitte Oktober mitteilten. »In abgeteilten Dosiseinheiten wird ein Arzneistoff portioniert und zur gebrauchsfertigen Herstellung einer antiseptischen Nasenspüllösung vorgelegt«, heißt es in der Pressemitteilung. Die Nasenspülung soll dann unter anderem gegen Coronaviren wirken – sowohl prophylaktisch als auch Therapie-begleitend. »Der gesunde Mensch könnte sich mit dieser Nasenspülung effektiv gegen eine Ansteckung mit einer Infektionskrankheit, insbesondere mit SARS-CoV-2, schützen. Die Keimlast bereits infizierter Patienten könnte sich, gerade in der Anfangsphase einer Infektion, reduzieren, um möglicherweise einen schweren Krankheitsverlauf abzuwenden«, hoffen die Apotheker. Umfassende Schutzrechte beim Patentamt seien angemeldet und Termine mit potenziellen Herstellern bereits in Planung. Auch eine Sonderzulassung als Medizinprodukt sei bereits beantragt.

Potenzielle Wirkstoffe

Das größte Potenzial im Hinblick auf Corona- und Influenzaviren sieht das Team aus München in Octenidinhydrochlorid, erklärte der Inhaber der Max-Weber-Platz-Apotheke Dr. Pohl in einem Gespräch mit der PZ. Testweise hätten sie das Produkt aber auch schon mit Cetylpyridiniumchlorid und Chlorhexidingluconat hergestellt.

Eine konkrete Vorstellung davon, wie oft und wie lange die Nasenspülung dann sowohl zur Prophylaxe als auch in der Akuttherapie angewendet werden soll, haben die Entwickler allerdings noch nicht. Dazu müsse für die einzelnen Wirkstoffe zunächst einmal die Verträglichkeit getestet werden, sagte Dr. Pohl. Dies werde dann in Kooperation mit einem Hersteller erfolgen. Weitere Anwendungsgebiete für eine antiseptische Nasenspüllösung seien theoretisch auch möglich, zum Beispiel zur Keimreduktion vor einer HNO-Operation. Generell könnten aber auch andere Wirkstoffe zum Einsatz kommen und somit auch das Spektrum der möglichen Indikationen erweitern.

Zu der Verträglichkeit von Octenidinhydrochlorid in der Nase ließe sich bisher noch nicht viel sagen, sagte auch Professor Weber. Wirksam gegen das neue Coronavirus wäre es grundsätzlich jedoch. Durch die Virushülle ist SARS-CoV-2 generell leichter angreifbar als ein unbehülltes Virus. Aus der Praxis berichtete er außerdem, dass HNO-Ärzte zur Keimreduktion vor einer Operation erfolgreich Nasenspülungen mit Natriumhypochlorit benutzen. Hier habe man gute Erfahrungen in Bezug auf die Verträglichkeit gemacht. Auch bei mehrfacher Anwendung sieht Weber in puncto Verträglichkeit theoretisch kein Problem. Als wirksam gegen SARS-CoV-2 gelte das Salz der hypochlorigen Säure auch. Doch ist auch hier noch unklar: Wie lange würde die Wirkung anhalten?

Abschließend lässt sich sagen, dass beim Thema antiseptische Nasenspülungen als Schutz vor Covid-19 noch viele Fragen offen sind. Studienergebnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einzelner Wirkstoffe bleiben vor einer flächendeckenden Empfehlung abzuwarten.

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