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Unterschätzter Killer
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Alkohol für viele Krebstote verantwortlich

Wer viel trinkt, riskiert nicht nur Leber- und Bauchspeicheldrüsen-Probleme, sondern auch ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. 
AutorKontaktdpa
Datum 12.09.2022  15:00 Uhr

Am besten komplett auf Alkohol verzichten

Wer dennoch nicht auf Alkoholika verzichten möchte, dem wird im Alkoholatlas geraten, pro Tag die Menge von 0,6 Liter Bier oder 0,3 Liter Wein für Männer und 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein für Frauen nicht zu überschreiten sowie mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzulegen.

Das Sprichwort «Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren» blendet nach Erkenntnissen von Experten die Gesundheitsrisiken von Alkohol aus. Auch die Annahme, dass geringe Mengen Alkohol vor bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen könnten, lassen sie nicht gelten. «Dieser Effekt wird durch die schädliche Wirkung des Alkohols auf andere Organe mehr als aufgehoben», betont DKFZ-Expertin Schaller. «Für die Krebsprävention gilt: Am besten ist es, gar keinen Alkohol zu trinken.»

Weiteres Resultat: Sozialer Status schützt nicht vor übermäßigem Konsum. Riskante Mengen von mindestens 10 Gramm Reinalkohol täglich konsumieren etwa 16 Prozent der Frauen mit höherer Bildung – mehr als doppelt so viele wie Frauen mit geringer Bildung. Bei den Männern liegen fast 18 Prozent der Gebildeten über dem für sie bedenklichen Konsum von 20 Gramm pro Tag, bei den wenig Gebildeten sind es nur knapp 12 Prozent.

Alkohol sollte deutlich teurer werden

Krebshilfe-Chef Gerd Nettekoven resümiert, jeder könne ungesunde Gewohnheiten aufgeben. «Doch die Krebsprävention ist keine reine Privatsache.» Die Politik müsse Bedingungen schaffen, die eine gesunde Lebensweise förderten. 

Die Fachleute warnen die Politik vor den Lobbyisten der Alkoholindustrie, die versuchten, Entscheidungsträger zu beeinflussen und öffentliche Einrichtungen, Parteitage oder Sportveranstaltungen zu sponsern, um sich als sozial verantwortliche Partner darzustellen. Zudem unterstützten diese wissenschaftliche Studien, die die negativen Folgen des Alkoholkonsums auf die Gesundheit und die Gesellschaft herunterspielten oder anzweifelten.

Nach Ansicht der Experten ließe sich der Konsum reduzieren, indem man Alkohol verteuert. Bei der Steuer auf Alkohol sehen sie noch Luft nach oben. Derzeit beträgt die Alkoholsteuer 1303 Euro pro Hektoliter reinen Alkohols. Jährlichen Einnahmen aus dieser Steuer von 3,2 Milliarden Euro stehen den Gesellschaften zufolge direkte und indirekte Kosten von 57 Milliarden Euro gegenüber. Dies ergebe sich aus Krankheitskosten sowie geringer Produktivität, Fehlzeiten am Arbeitsplatz und Frühverrentung. In anderen Ländern hat ein Preisanstieg von 10 Prozent den Konsum um 6 Prozent gedrückt, wie Schaller erläutert.

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