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Diskussion über Engpässe
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Aktionsbündnis: Lauterbach leugnet Notlage

Apotheker und Ärzte aus Nordrhein warnen in einem gemeinsamen Aktionsbündnis vor einem Notstand in der Versorgung und fordern, dass die Hersteller stärker in die gesamtgesellschaftliche Verantwortung genommen werden. 
AutorKontaktPZ
Datum 19.09.2024  11:30 Uhr

Bereits Anfang der Woche beklagte Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR), bestehende Engpässe bei verschiedenen Arzneimitteln und kritisierte, dass ein Ende der Lieferprobleme nicht absehbar sei. 

Nun warnt auch das Aktionsbündnis Patientenversorgung, bestehend aus dem Apothekerverband Nordrhein, dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein, dem Verband medizinischer Fachberufe und dem Freien Verband Deutscher Zahnärzte, vor einer sich weiter verschärfenden Versorgungslücke.

Der Versorgungsnotstand sei bisher nur vermieden worden, weil Apotheken und Arztpraxen vor Ort in enger Abstimmung die Verfügbarkeit der benötigten Medikamente klären und die immer größer werdenden Versorgungslücken durch Alternativen schließen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Allerdings müssten die Hersteller stärker in die gesamtgesellschaftliche Verantwortung genommen werden. Ihre Rolle sei entscheidend für die Gewährleistung einer zuverlässigen, sicheren und effektiven medizinischen Versorgung.

Die Verantwortung für die kontinuierliche Verfügbarkeit und Verteilung von Medikamenten liege primär bei den Pharmaherstellern. Sie müssten sicherstellen, dass ihre Produkte zuverlässig produziert und geliefert werden. »Apotheken, Hausarztpraxen und Zahnarztpraxen haben die Verpflichtung, die bestmögliche medizinische Versorgung für die Patienten zu gewährleisten. Sie können weder Lückenbüßer für Pharmahersteller, die Lieferverpflichtungen nicht nachkommen, noch für eine verfehlte Bundesgesundheitspolitik sein.«

Über 500 verschreibungspflichtige Medikamente nicht vorrätig

»Nach wie vor sind über 500 verschreibungspflichtige Medikamente nicht vorrätig oder nur mit Verzug lieferbar. Antibiotika, Antidepressiva, Asthma-Mittel, Insulin, Herz- und Krebsmedikamente, Schmerzmittel – die Liste der nicht verfügbaren Wirkstoffe steigt«, heißt es in der Mitteilung.

Hauptgründe seien Produktionsausfälle und Lieferschwierigkeiten. Für Apotheken sowie Hausarzt- und Zahnarztpraxen bedeute dies Mehraufwand, der besonders in Zeiten hoher Infektionszahlen und vollen Wartezimmern eine zusätzliche Belastung für die Mitarbeitenden erbringt.

Sei das verschriebene Medikament eines bestimmten Herstellers nicht vorrätig, müsse mit den Patientinnen und Patienten eine neue Medikation besprochen werden. Die Umstellung auf Präparate mit ähnlichen Wirk-stoffen sei immer mit einer Beratung verbunden. Oft müssten Therapiepläne geändert werden, da die Wechselwirkungen der Medikamente weitere Umstellungen in der Medikation notwendig machen. Die Patienten würden zwar Verständnis zeigen, wenn ihr gewohntes Medikament nicht verfügbar sei. Problematisch seien jedoch Medikamente, für die es wenig Alternativen gebe.

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