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Prävention
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Ärger um Tests in Apotheken

Mehr Impfungen und Tests auf übertragbaren Krankheiten in Apotheken sollen mit dem »Gesetz zur Stärkung der Öffentlichen Gesundheit« eingeführt werden. Zudem werden freiverkäufliche Schnelltests in Apotheken ein immer größeres Thema. Die Standesvertretung der Ärzteschaft geht auf die Barrikaden, doch es gibt auch Mediziner, die sich eine stärkere Rolle der Apotheken wünschen.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 31.10.2024  16:20 Uhr

Die Ampelfraktionen im Bundestag hatten mehrere Änderungsanträge zum »Gesetz zur Stärkung der Öffentlichen Gesundheit« eingebracht. In Apotheken sollen sich Patientinnen und Patienten künftig auch mit Totimpfstoffen impfen lassen können – statt wie bisher nur gegen Covid-19 und Influenza. Außerdem sollen künftig In-vitro-Diagnostika in der Apotheke durchgeführt werden, namentlich Schnelltests auf Adenoviren, Influenzaviren, das Norovirus, Respiratorische Synzytial Viren und das Rotavirus. Apotheken sollen die Erlaubnis erhalten, diese Tests zu bewerben.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat in einer Stellungnahme zu dem Vorhaben »erhebliche rechtliche und fachliche Bedenken« geäußert. Die Ausweitung des Impfangebots sei ein Verstoß gegen den Arztvorbehalt, denn bei der Impfung inklusive Aufklärung, Anamnese und gegebenenfalls dem Beherrschen von Notfallmaßnahmen handele es sich um die Ausübung von Heilkunde. Dazu bedürfe es einer ärztlichen Approbation. Der Bundesgesetzgeber habe keine Gesetzgebungskompetenz, Ausnahmen vom Arztvorbehalt zu bestimmen, so die KBV.

Äußerst kritisch sieht die KBV auch Tests in Apotheken und eine Erweiterung der Liste frei verkäuflicher »patientennaher Schnelltests« um direkte Erregernachweise für Infektionen der Atemwege und des Gastrointestinaltraktes. Damit würden die »bewährten und gesetzlich geregelten Pfade zur Leistungsbewertung und -einführung durch die Selbstverwaltung« aufgegeben, so die KBV.

Zum freien Verkauf von Selbsttests etwa auf Sexual- oder Schilddrüsenhormone hat sich die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) kritisch geäußert. Tests, die von den Patienten selbst zu Hause durchgeführt werden können, seien nicht nur unzuverlässig, die Menschen würden auch mit den Ergebnissen allein gelassen.

Unzuverlässige Heimtests

Laut DGE kann meist nicht nachverfolgt werden, welche Qualität die Tests und damit auch die Ergebnisse besitzen. Auch könnten die Ergebnisse ungenau sein, weil Hormontests immer abhängig von äußeren Bedingungen wie etwa der Tageszeit seien. Wer etwa Zyklusstörungen, Hautprobleme oder Stimmungsschwankungen habe und eine hormonelle Ursache vermute, solle lieber eine endokrinologische Praxis aufsuchen, rät die Fachgesellschaft. Bei einem begründeten Verdacht auf eine hormonelle Störung übernähmen sogar die Krankenkassen die Kosten für den Hormontest.

Marc-André Röske ist selbst Arzt, setzt sich trotzdem für das Testen in Apotheken ein und vertreibt ein entsprechendes Angebot mit Kapillarbluttests sogar in der Offizin. Sein Credo: »Lieber ein niedrigschwelliges Angebot mit einer sicheren Methode schaffen und bei auffälligen Werten wird direkt an den Facharzt verwiesen.«

Vom heimisch durchgeführten Speicheltest hält Röske auch nichts: »Wenn der Patient kurz vorher geraucht oder eine Mundspüllösung verwendet hat, beeinflusst das die Ergebnisse.« Die Labore seien aber auf eine hohe Qualität der Proben angewiesen. Die Apothekenteams seien ein guter erster Ansprechpartner aus dem medizinischen Bereich.

In den Apotheken gibt es offenbar eine große Bereitschaft, solche Tests verstärkt anzubieten. Bei einer nicht repräsentativen  Blitzumfrage unter den Abonnenten des WhatsApp-Kanals der PZ gaben 68 Prozent an, dass sie sich vorstellen könnten, In-vitro-Diagnostik in ihrer Apotheke anzubieten. Rund ein Viertel (27 Prozent) lehnt dies ab, weitere 11 Prozent sind sich noch nicht sicher.

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