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Neuer Tiefstand
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39 Apotheken in Hessen weniger

Die Apothekenschließungen setzen sich fort: Nach Angabe der Landesapothekerkammer hat sich die Zahl der öffentlichen Apotheken in Hessen im vergangenen Jahr um 39 auf 1350 verringert. Kammerpräsidentin Ursula Funke forderte eine sofortige wirtschaftliche Stärkung der Betriebe, ansonsten sieht sie die wohnortnahe Versorgung in Gefahr.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 12.01.2024  13:15 Uhr

»Die Entwicklung ist alarmierend«, kommentierte Kammerpräsidentin Ursula Funke die aktuellen Zahlen. Laut der Landesapothekerkammer Hessen hat sich der Rückgang der Apothekenzahl in den letzten zehn Jahren beschleunigt. Während die Apothekenanzahl in Hessen in den 20 Jahren von 1993 bis 2013 um 100 Betriebe abnahm, sank deren Zahl in den 10 Jahren seit 2013 um etwa weitere 200 Betriebe. Hauptgrund für die Schließungen sei die wirtschaftlich massiv angespannte Situation vieler Betriebe, die sich durch den erhöhten Kassenabschlag weiter verschärft habe. »Weniger Honorar, höhere Kosten, immer mehr Lieferengpässe und Bürokratie – viele Inhaber können und wollen nicht mehr«, machte Funke den Ernst der Lage deutlich. Selbst in den großen Städten wie Frankfurt am Main, Wiesbaden, Kassel oder Darmstadt gehe die Zahl der Apotheken zurück.

Die Reformpläne für den Apothekenbereich, die Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD) vor Weihnachten vorgestellt hatte, werden nach Funkes Einschätzung keine Trendumkehr bewirken. »Die Pläne von Herrn Lauterbach haben das Potenzial, das heutige Versorgungssystem zu zerstören. Kein Beruf arbeitet für den Lohn von 2004«, kritisierte die Kammerpräsidentin. Den Plänen, wonach in Apotheken kein Apotheker mehr persönlich anwesend sein müsse, erteilte sie eine Absage. Statt Soforthilfen für die Apotheken vor Ort plane das Bundesgesundheitsministerium ab 2025 eine Umverteilung des Apothekenhonorars, die faktisch zu einer Kürzung der Vergütung führen werde. In der Folge wären höherpreisige Arzneimittel immer schwerer zu finanzieren, weshalb die Apotheken sie nicht bevorraten würden. Die Leidtragenden wären die Patienten, die auf diese Medikamente angewiesen sind. »An einer zeitnahen adäquaten Erhöhung der Vergütung der öffentlichen Apotheken führt kein Weg vorbei, wenn man die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung auf dem heutigen Niveau erhalten will«, betonte Funke.

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