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Autismus: Diagnose häufig erst bei Erwachsenen

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Etwa 1 Million Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) leben in Deutschland, davon etwa die Hälfte mit einem sogenannten hochfunktionalen Autismus. Der Anstieg der ASS-Prävalenz beruhe auf der häufigeren Diagnose bei Erwachsenen, die meist am hochfunktionalen Autismus oder dem Asperger-Syndrom leiden, berichtete Dr. Hella Parpart vom Max-Planck-Institut (MPI) für Psychiatrie bei der Münchner Woche für Seelische Gesundheit.

 

«Bei vielen Betroffenen wird Autismus nicht erkannt, sondern nur Komorbiditäten behandelt. Für eine umfassende Diagnose sollte an Spezialambulanzen überwiesen werden», empfahl die Psychologin. Die Ambulanz am MPI sei offen für Erwachsene mit Verdacht auf eine psychische Erkrankung, die zu Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion führt. Für Erwachsene mit bestehender Diagnose habe das MPI im April 2017 die deutschlandweit erste Tagklinik eröffnet. Sie bietet 16 Therapieplätze für eine sechswöchige Behandlung mit Einzel- und Gruppentherapien.

 

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in den ersten drei Lebensjahren beginnt und im Erwachsenenalter bestehen bleibt. Kennzeichnend sind Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie stereotype, repetitive Verhaltensweisen. Parpart unterschied den frühkindlichen Autismus mit schweren Störungen und teilweiser Intelligenzminderung, den atypischen Autismus und das Asperger-Syndrom.

 

Der hochfunktionale Autismus sei eine Unterform der frühkindlichen Störung, werde aber häufig dem Asperger-Syndrom zugeordnet, erklärte Parpart. Dieser und das Asperger-Syndrom seien nicht klar abgrenzbar, vor allem bei Erwachsenen. Bei beiden Formen haben die Patienten einen hohen bis überdurchschnittlichen IQ.

 

Therapieziele sind die Behandlung komorbider Erkrankungen wie Angststörungen und Depression, Ausbau von Kompensationsstrategien für Einschränkungen, die nicht geändert werden können, Förderung der Selbstakzeptanz und das Erlernen neuer Fähigkeiten. Praktisch wichtig sind eine berufsorientierte Therapie und Sozialberatung. «Unterstützungsbedarf besteht besonders bei der beruflichen Integration, da Personen mit hochfunktionalem Autismus trotz beruflicher Qualifikation mehrheitlich arbeitslos sind», erklärte Parpart. Heilbar sind ASS bislang nicht. (bmg)

 

16.10.2017 l PZ

Foto: Fotolia/fongleon356