Dranginkontinenz: Starke Hilfe bei schwacher Blase |

Bei Dranginkontinenz sind Anticholinergika noch immer Mittel der Wahl, das Therapiespektrum hat sich jedoch erweitert. Darauf machte der Urologe Professor Dr. Helmut H. Knispel vom St. Hedwig-Krankenhaus Berlin beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran aufmerksam. Durch Hemmung muskarinerger Rezeptoren unterdrücken Anticholinergika den Harndrang, indem sie die Kontraktionskraft des Musculus detrusor blockieren. Das ist der Muskel, der für die Entleerung der Harnblase zuständig ist.
«Ein Problem aller gängigen Substanzen dieser Klasse sind die Nebenwirkungen», so Knispel. Denn Muskarin-Rezeptoren gibt es nicht nur an der Blase. Durch Blockade von M2-Rezeptoren kann es zum Beispiel am Herzen zur Tachykardie kommen, die Inhibition von M5-Rezeptoren im Auge kann verschwommenes Sehen zur Folge haben. Auch Mundtrockenheit stellt ein großes Problem dar und führt zu Therapieabbrüchen.
Umso wichtiger ist es, Wirkstoffe einzusetzen, die eine hohe Selektivität für M3-Rezeptoren besitzen, die vorwiegend an der Blase zu finden sind. Arzneistoffe wie Darifenacin und Solifenacin bezeichnete der Mediziner deshalb als moderne Substanzen. Diese hätten auch den Vorteil, dass sie weniger Rezeptoren im ZNS adressieren. Denn: «Anticholinergika beeinträchtigen nicht unerheblich die kognitiven Fähigkeiten, bei M3-Rezeptor-spezifischen Substanzen sind die kognitiven Verluste aber deutlich geringer», sagte Knispel.
Seit einigen Jahren hat auch Botulinumtoxin-A Eingang in die Therapie der überaktiven Blase gefunden. Das Gift besitzt hohe Affinität zur neuromuskulären Endplatte. Injiziert man es an mehreren Stellen in den Detrusor, so sinkt dessen Kontraktionskraft. Knispel sprach von einer Methode der Wahl bei bestimmten Patienten, die keine Anticholinergika erhalten dürfen. Im Median hält die Wirkung etwa neun Monate an und die Verträglichkeit ist gut. Darüber hinaus ist auch ein Therapieversuch mit einem neuromodulatorischen Verfahren denkbar. (ss)
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31.05.2011 l PZ
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