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Hoppe: EuGH-Schlussantrag hilft allen Freien Berufen

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Der Schlussantrag des EuGH-Generalanwaltes Yves Bot zur Rechtmäßigkeit des deutschen Fremdbesitzverbots bei Apotheken ist auch für Ärzte, Rechtsanwälte und Architekten eine wichtige Botschaft, sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe. Mit seinen Ausführungen habe Bot deutlich gemacht, dass Eigenverantwortlichkeit, persönliche Leistungserbringung und Beschränkung im Gewinnstreben eine wichtige Voraussetzung für bestimmte Aufgaben seien, sagte Hoppe beim Neujahrsempfang der Apothekerkammer Nordrhein am 7. Januar in Düsseldorf. Diese Attribute seien in Deutschland für die freien Berufe charakteristisch und unterscheiden sie von Kapitalgesellschaften, bei denen das Gewinnstreben im Vordergrund stehe. Bots Schlussantrag sei für die Freien Berufe ein erstes positives Signal aus Europa. Ansonsten sieht der Ärztepräsident die Brüsseler Administration eher als Gefahr. Die Freiberuflichkeit ist ein deutscher Sonderweg.

 

Neben der Kommerzialisierung sieht Hoppe in der Standardisierung eine zweite Gefahr für das Gesundheitswesen und ganz besonders für die Medizin. Krankheitsverläufe seien nicht standardisierbar, wie dies über Fallpauschalen und Disease-Management-Programme (DMP) heute geschehe. Jeder Patient sei einzigartig und die Arzt-Patienten-Beziehung ein wesentlicher Faktor der Therapie. DMP führe dagegen zu einer «Schablonisierung der Medizin». Medizin sei keine reine Naturwissenschaft, deshalb seien Einheitsbehandlungen der falsche Weg. Den Krankenkassen warf er vor, erst das Arzt-Patienten-Verhältnis über immer neue Standardisierungen zu zerstören und sich dann selbst zum vermeintlichen Anwalt ihrer Versicherten aufzuschwingen. Gemeinsam mit der Politik machten sie die Angehörigen der Freien Berufe zu «Erfüllungsgehilfen ihrer Konzepte». (dr)

 

08.01.2009 l PZ

Foto: Fotolia/Pawlowska