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Mehr Prävention
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1000 Gesundheitskioske für benachteiligte Stadtteile

Die Koalition wünscht sich weitere niedrigschwellige Angebote für die Gesundheitsversorgung – und will 1000 Gesundheitskioske in Deutschland schaffen. Ob und wie die Apotheken angeschlossen werden, ist noch offen. Die PZ war beim Prototyp in Hamburg-Billstedt dabei, als Minister Karl Lauterbach (SPD) ein Eckpunkte-Papier präsentierte.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 01.09.2022  17:00 Uhr

Apotheken nicht mitgedacht

Die Apothekerkammer Hamburg äußerte sich auf Nachfrage der PZ zu den Gesundheitskiosken (in Hamburg gibt es mehrere) enttäuscht: »Wir Apotheken sind bei der Planung außen vor geblieben«, so die Erste Vizepräsidentin Petra Kolle. Sie kritisierte, dass dort Pflegepersonal die Arzneimittelerfassung und -betreuung übernimmt. »Medikationsmanagement und pharmazeutische Betreuung ist mehr als das und geht nicht ohne entsprechende Qualifikation. Wir halten es für zwingend erforderlich, dass auch Apotheken dabei sind, die vor allem auch Medikationsanalysen und Arzneimittelberatung durchführen.«

Wenn man in der direkt gegenüber liegenden Kräuter-Apotheke nachfragt, ist von Kooperation und Vernetzung kaum etwas zu spüren. »Es kommt eher selten ein Patient direkt von gegenüber«, berichtet Inhaber Torsten Schütz. Es sei eher umgekehrt: Habe einer seiner Patienten zum Beispiel Probleme mit seiner Krankenkasse, verweise die Apotheke ihn an den Kiosk. »Wir sind aber offen für eine engere Zusammenarbeit«, versichert Schütz.

Auch pharmazeutische Kompetenz nutzen

Ein paar Häuser weiter liegt Dr. Walters Markt-Apotheke. Auch dort würde man gern enger eingebunden werden. »Ich halte den Gesundheitskiosk für eine sehr sinnvolle Einrichtung im Stadtteil, der ein gutes Zusatzangebot macht«, so Inhaber Dr. Jochen Walter. Er habe von Anfang an und mehrfach Vorschläge für eine Zusammenarbeit unterbreitet, zum Beispiel für Medikationsanalysen und -beratungen. Stattdessen sei er gefragt worden, ob er das Personal des Gesundheitskiosks entsprechend schulen könnte, lehnte dies jedoch aus fachlichen Gründen ab.

»Es ist schon bitter, dass unsere pharmazeutische Kompetenz bis jetzt nicht gesehen wurde, dabei haben wir in einem gemeinsamen Gespräch schon vor Jahren klar gemacht, was Apotheken hier leisten können – und andere Fachkräfte eben nicht.« Er bleibe aber mit den Ärzten und dem Kiosk im Gespräch, inwieweit man nun über die pharmazeutischen Dienstleistungen kooperieren kann. Vom Besuch des Ministers hat man in beiden Apotheken jedenfalls nichts mitbekommen, was Apotheker Walter als bezeichnend beschreibt.

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