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IQWiG versus vfa
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Zwist um Sonderstellung von Orphan Drugs

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland (vfa) sind uneins über die Privilegien, die für Orphan Drugs gelten. Diese werden aus Sicht des IQWiG zu häufig gewährt. Der vfa sieht das anders.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 09.01.2025  18:00 Uhr

Hersteller warnen vor Marktrücknahmen

Ganz anders schätzt das der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland (vfa) in einer Pressemitteilung ein, die er – bestimmt nicht zufällig – kurz nach Erscheinen der Originalpublikation und noch vor Veröffentlichung der IQWiG-Pressemitteilung herausgab. Der vfa sieht demnach eine »gute Versorgung mit Medikamenten gegen seltene Erkrankungen« und betont, dass sich die besonderen Regeln in der Nutzenbewertung bewährt hätten.

Gäbe es diese nicht, könnten Hersteller mit Orphan Drugs laut vfa unter Umständen nicht genügend Umsatz erwirtschaften: Wenn in einer regulären Nutzenbewertung kein oder allenfalls ein geringer Zusatznutzen für die Präparate festgestellt würde, drohe ein Preisverfall schlimmstenfalls auf Generikaniveau. Dies kann dazu führen, dass Hersteller ihr Präparat wieder vom Markt nehmen. Ein sehr hohes Risiko für dieses Szenario habe die Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partner im Rahmen einer Studie im Auftrag des vfa für 57 Prozent der Orphan Drugs ausgemacht.

Wer den Sonderstatus der Orphan Drugs bei der Nutzenbewertung infrage stelle, setze die Verfügbarkeit dieser dringend benötigten Medikamente aufs Spiel, argumentiert der vfa. Dies übersieht freilich, dass es dem IQWiG zumindest mit der aktuellen Publikation laut eigenem Bekunden um eine bessere Steuerung der Förderung geht. Denn die implizite Kritik des Instituts richtet sich dieses Mal nicht generell gegen die Priviligierung bei der Nutzenbewertung, sondern die Tatsache, dass diese womöglich häufig ungerechtfertigterweise in Anspruch genommen wird.

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