| Theo Dingermann |
| 12.01.2026 09:00 Uhr |
Die autosomal-rezessiv vererbliche Stargardt-Erkrankung ist die häufigste Ursache für erbliche Blindheit bei Kindern. / © Adobe Stock/vectorfusionart
Das spanische Biotech-Unternehmen Splicebio informiert aktuell in einer Pressemitteilung, dass es im Rahmen der globalen Phase-1/2-Studie ASTRA den ersten Patienten mit der Stargardt-Erkrankung mit dem Gentherapeutikum SB-007 behandelt hat. Dieses ist eine Dual-AAV-Gentherapie, bei der über zwei Teilfragmente das komplette Gen transferiert wird, das wegen einer Mutation bei den Kindern funktionslos ist. Bei dem Gen handelt es sich um ABCA4.
Das ABCA4-Gen codiert für ein großes retinaspezifisches Protein mit zwei Transmembrandomänen, zwei glykosylierten extrazellulären Domänen und zwei Nukleotid-bindenden Domänen. Das resultierende Protein wird fast ausschließlich in der Retina exprimiert und befindet sich an den Rändern der äußeren Segmente der Stäbchen-Photorezeptoren. Fehlt dieses Protein, resultiert eine Makuladegeneration. Die autosomal-rezessiv vererbte Krankheit manifestiert sich, wenn beide Kopien des ABCA4-Gens inaktiviert sind.
Zur Realisierung des gentherapeutischen Ansatzes musste ein bekanntes Limit klassischer AAV-Gentherapien überwunden werden. Diese Vektoren, die heute bei vielen Gentherapien eingesetzt werden, besitzen nur eine eingeschränkte Aufnahmekapazität für Fremd-DNA. Im konkreten Fall war die Genlänge des ABCA4-Gens zu groß, um von einem einzelnen AAV-Vektor aufgenommen werden zu können.
Splicebio löste dieses Problem mithilfe einer proprietären Protein-Trans-Splicing-Plattform auf Intein-Basis. Ein Intein ist eine Aminosäuresequenz eines Proteins, die sich selbst (autokatalytisch) aus dem Protein ausschneiden und dann die verbleibenden Stücke, die so genannten Exteine, wieder durch eine Peptidbindung verknüpfen kann.
Splicebio verteilte das ABCA4-Gen auf zwei AAV8-Vektoren, deren Teilsequenzen nach Translation in die entsprechenden Proteinfragmente in den retinalen Zielzellen dann ein funktionelles, vollständiges ABCA4-Protein rekonstituieren. Da SB-007 die komplette Sequenz des ABCA4-Gens beinhaltet, ließen sich mit dem Gentherapeutikum alle denkbaren Mutationen abdecken.