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Myasthenia gravis
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Zwei neue Optionen innerhalb eines Monats

Zwei weitere Therapieoptionen, die bei einem hochaktiven Verlauf der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis als Add on zur Standardtherapie infrage kommen, sind seit März im Handel: Rozanolixizumab und Zilucoplan. Sie wirken beide als »Endplattenschützer«, weisen aber unterschiedliche Wirkprinzipien auf.
AutorKontaktAnnette Rößler
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 27.03.2024  07:00 Uhr

Subkutane Gabe einmal pro Tag

Während Eculizumab und Ravulizumab infundiert werden müssen, kann Zilucoplan einmal täglich subkutan verabreicht werden. Nach entsprechender Schulung können die Patienten das Spritzen in den Oberschenkel, Bauch oder die Rückseite des Oberarms selbst vornehmen. Die Injektionsstellen sollten rotieren und die Patienten sollten nicht in Bereiche spritzen, in denen die Haut empfindlich, erythematös, blutunterlaufen oder verhärtet ist oder in denen die Haut Narben oder Dehnungsstreifen aufweist. Die empfohlene Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht (KG) des Patienten (< 56 kg KG: 16,6 mg; ≥ 56 bis < 77 kg KG: 23 mg und ≥ 77 kg KG: 32,4 mg).

Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich, bei leichter und mittelschwerer Leberfunktionsstörung ebenfalls nicht. Da Sicherheit und Wirksamkeit des neuen Medikaments bei schwerer Leberfunktionsstörung nicht erwiesen sind, kann für diesen Fall keine Dosisempfehlung gegeben werden.

Kontraindiziert ist Zilucoplan bei Patienten, die derzeit nicht gegen Neisseria meningitidis (Meningokokken) geimpft sind oder bei denen eine nicht abgeklungene Infektion mit diesem Erreger vorliegt. Während der Behandlung sollten die Patienten auf Anzeichen und Symptome einer Meningokokken-Infektion überwacht werden. Zusätzlich zu Neisseria meningitidis können die Patienten auch anfällig für Infektionen mit anderen Neisseria-Arten sein, etwa Gonokokken. Sie sollten deshalb über die Bedeutung der Vorbeugung und Behandlung von Gonorrhö informiert werden.

Sehr häufige Nebenwirkungen des neuen Medikaments sind Reaktionen an der Injektionsstelle und Infektionen der oberen Atemwege. Häufig traten Durchfall, erhöhte Pankreasenzyme wie Lipase und Amylase sowie die sogenannte Morphea auf, eine entzündliche Erkrankung, bei der sich einzelne Hautbereiche verhärten.

Die Behandlung von Schwangeren mit Zilbrysq sollten Ärzte nur in Betracht ziehen, wenn der klinische Nutzen die Risiken überwiegt. Bei Stillenden ist zu entscheiden, ob auf das Stillen oder die Behandlung mit Zilucoplan verzichtet wird.

Zilbrysq ist im Kühlschrank 2 bis 8 °C zu lagern. Patienten können die Fertigspritze bei Raumtemperatur im Originalumkarton bei bis zu 30 °C für einen einmaligen Zeitraum von maximal drei Monaten aufbewahren.

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