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Pandemiefolgen
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Zu Hause bleiben ist das neue Ausgehen

Mehr Cocooning, weniger Pendeln. Die Pandemie hat das Leben verändert. Seit 2019 verbringen Menschen in den USA täglich eine Stunde weniger außerhalb des Hauses. Das bringt eine Zeitersparnis, aber auch weniger Begegnungen. Dieser Trend wirkt sich ebenfalls auf die Stadtplanung und Verkehrspolitik aus.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 19.11.2024  07:00 Uhr

Mehr Zeit zu Hause zu verbringen, ist ein Verhalten, das auf die Coronavirus-Pandemie zurückzuführen ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die kürzlich im »Journal of the American Planning Association« (DOI: 10.1080/01944363.2024.2385327) erschienen ist. Demnach ist die Zeit, die Menschen für außerhäusliche Aktivitäten aufwenden, seit 2019 insgesamt um etwa 51 Minuten gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 334 Minuten pro Tag im Jahr 2019 auf 271 Minuten im Jahr 2021.

Im Gegenzug haben die innerhäuslichen Aktivitäten zugenommen. Allerdings betrifft das nicht den Fernsehkonsum. Stattdessen werden jetzt vermehrt Sport und körperliche Aktivitäten daheim ausgeübt. Das Wissenschaftlerteam geht davon aus, dass die Menschen wahrscheinlich Fitnessgeräte für zu Hause angeschafft haben.

Auch verbrachten die 34.000 befragten US-Amerikaner ab 17 Jahren rund 13 Minuten weniger pro Tag im Auto oder in anderen Verkehrsmitteln. Diese rückläufige Entwicklung ist der Untersuchung zufolge nicht allein darauf zurückzuführen, dass die Menschen während der Pandemie weniger pendelten.

Mehr Kunst statt Shops in den Innenstädten

Der Trend zum weniger Weggehen erfordert in den Augen der Studienautoren ein Umdenken in vielen Bereichen, etwa in der Stadtplanung und Verkehrspolitik. Sie empfehlen Büro- und Einzelhandelsimmobilien in Wohnhäuser umzuwandeln, da immer mehr Menschen von zu Hause arbeiten und einkaufen.

Mehrfamilienhäuser in zentralen Lagen würden hingegen einkommensschwachen Haushalten helfen, Transportkosten zu sparen. Und angesichts zunehmender Online-Einkäufe sollte es mehr Platz für Lieferfahrzeuge geben. Sie raten Städten dazu, die Einwohner künftig verstärkt mit Unterhaltungs-, Kultur- oder Kunst-Angeboten in ihre Zentren zu locken.

Technologie hat Trend befeuert

Die Entwicklung hat nicht nur Nachteile, argumentiert das Wissenschaftlerteam. Wenn nun weniger Zeit für Fahrten investiert wird, sinkt auch der Kraftstoffverbrauch und die Emissionen verringern sich. Außerdem sparen die Menschen Zeit und Geld, was zu ihrer Zufriedenheit beiträgt. Gefahren sehen sie jedoch in sozialer Isolation.

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die verbesserte Informationstechnologie eine der Hauptursachen für den Trend ist, einfach zu Hause zu bleiben. Denn die ermittelte Auswärtszeit im Jahr 2023 blieb im Vergleich zu 2022 praktisch unverändert. Allerdings ist die Tendenz zum Rückzug in die eigenen vier Wände laut den Forschenden nicht ganz neu. Sie weisen darauf hin, dass die Anfänge bereits bis rund 16 Jahre vor die Pandemie zurückreichen. Das Phänomen, es sich daheim so gemütlich wie möglich zu machen, kennen viele unter dem Begriff Cocooning. Zweifelsohne hat die Coronazeit jedoch die Bewegung extrem angekurbelt.

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