n der Regel dauere es in Großbritannien etwa einen Monat, bis Blutproben von Toxikologen analysiert werden können. Zu diesem Analysezeitpunkt sei nur noch 14 Prozent des zum Zeitpunkt der Überdosierung existierenden Nitazens vorhanden. / © Adobe Stock/angellodeco
Nitazene sind eine Gruppe synthetischer Opioide, deren Wirksamkeit bis zu 500-mal so hoch sein kann wie die von Heroin, wie die Experten um Caroline Copeland vom King's College London erläutern. Die leicht und billig herstellbaren Substanzen wurden demnach ursprünglich für die Verwendung als Schmerzmittel synthetisiert, ihre Entwicklung wurde jedoch aufgrund der extremen Wirksamkeit eingestellt.
Der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) zufolge werden Nitazene per Vape, Pille, Pappe oder in weiteren Formen konsumiert. Typische Anzeichen einer Überdosis sind Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und starke Sedierung, gefolgt von Atemstillstand. Die wirksame Dosis sei bei den Substanzen nicht weit entfernt von der tödlichen Dosis.
Den Daten der Forschenden vom King’s College zufolge dürfte die Zahl dieser Drogentoten bisher stark unterschätzt werden. Es gebe womöglich etwa ein Drittel mehr Todesfälle durch Nitazene als bisher angenommen, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal »Clinical Toxicology«. Die Substanzen würden in nach dem Tod genommenen Blutproben rasch abgebaut – und in den Analysen zum Feststellen der Todesursache darum oft nicht mehr gefunden.
Die Forschenden um Copeland stellten den typischen Ablauf von Probennahme und -analyse nach solchen Todesfällen in Tierversuchen nach. In der Regel dauere es in Großbritannien etwa einen Monat, bis Blutproben von Toxikologen analysiert werden können. Zu diesem Analysezeitpunkt sei nur noch 14 Prozent des zum Zeitpunkt der Überdosierung existierenden Nitazens vorhanden.
Aus Modellierungen schloss das Team, dass die Zahl tatsächlicher Todesfälle mutmaßlich um etwa ein Drittel höher liegt als bisher erfasst. »Wenn wir ein Problem nicht richtig messen, können wir keine geeigneten Maßnahmen entwickeln – und die unvermeidliche Folge ist, dass vermeidbare Todesfälle weiterhin auftreten werden«, sagte Copeland. Typische Abbauprodukte von Nitazenen zu finden und Nachweisverfahren dafür zu entwickeln, könne künftig zu besseren Daten führen.
In Deutschland werde die genaue Ursache bei Drogentodesfällen ohnehin nur im Einzelfall bestimmt, hieß es von der DBDD. »Im Jahr 2024 wurden nur in 40 Prozent aller Drogentodesfälle toxikologische Gutachten erstellt.« Die tatsächliche Todesursächlichkeit einzelner Substanzen könne nur geschätzt werden. Zu bedenken sei dabei, dass in etwa 80 Prozent der Fälle mehr als eine Substanz konsumiert wurde und es oft gar nicht möglich sei, zu benennen, welche davon die tödlich wirkende war.