Der EU-Drogenagentur EUDA zufolge waren unter den 2024 EU-weit knapp 50 neu gemeldeten Substanzen etwa die Hälfte Nitazene. Ihre Präsenz auf dem Drogenmarkt habe in den letzten sieben Jahren stark zugenommen, international habe es dazu zahlreiche Warnmeldungen von Behörden gegeben, hieß es vom King's College. In den Jahren 2023 und 2024 waren Nitazene der DBDD zufolge innerhalb der synthetischen Opioide marktbestimmend.
Die britische National Crime Agency (NCA) erfasste im Jahr 2024 mehr als 330 Todesfälle im Zusammenhang mit Nitazenen, wie das King's College mitteilte. Oft seien sehr junge Menschen betroffen. Für Deutschland sei für 2024 allgemein ein Anstieg der Beteiligung synthetischer Opioide an den gemeldeten Drogentodesfällen erfasst, hieß es von der Beobachtungsstelle DBDD. Die Bilanz der Drogentodesfälle für 2025 liege noch nicht vollständig vor. 2024 starben demnach 32 Menschen nachweislich im Zusammenhang mit dem Konsum synthetischer Opioide, in neun dieser Fälle wurden Nitazene gemeldet. Von den in Deutschland erfassten Todesfällen waren unter anderem ein 19-Jähriger in Hessen und ein 17-Jähriger in Bayern betroffen.
Weil nur teilweise toxikologische Gutachten durchgeführt werden und Stoffe wie Nitazene schwer nachzuweisen sind, gehen die DBDD-Experten von einer größeren Dunkelziffer nicht erfasster Todesfälle aus. Sie betonen zudem, dass neben weiteren Nitazenen stetig zahlreiche andere Substanzen neu auf den Markt kämen, 2025 zum Beispiel neue Orphine wie Cychlorphin, eine Untergruppe der Opioide. Es sind trotz der Namensähnlichkeit allerdings keine strukturellen Analoga von Morphin.
»Eine der Gefahren an neuen synthetischen Opioiden ist, dass sie zum Beispiel in gefälschten Medikamenten enthalten sind, die täuschend echt aussehen«, hieß es. Würden sie unabsichtlich von Menschen ohne bestehende Opioidtoleranz konsumiert, sei die Gefahr einer Überdosierung noch einmal höher.