| Jennifer Evans |
| 24.03.2026 12:00 Uhr |
Ein kleiner Scherz ist eine gute Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der Zuhörenden zu steigern – gleichzeitig sorge er für Entspannung. / © Adobe Stock/Krakenimages.com
Ein kleiner Spaß kann einen Vortrag auflockern. Leider sind gute Witze meist Mangelware bei wissenschaftlichen Konferenzen, wie eine Analyse von 531 Vorträgen auf 14 Biologiekonferenzen gezeigt hat. Dabei kann ein Scherz einen verstärkenden Mechanismus haben.
Das Team um Dr. Stefano Mammola, Ökologe am italienischen Nationalen Forschungsrat, hat insgesamt 870 Humorversuche analysiert, von denen allerdings zwei Drittel verpufften – also entweder nur höfliches Schmunzeln oder gar kein Lachen auslösten. Fast ein Viertel der versuchten Witze entlockte etwa der Hälfte des Publikums ein hörbares Lachen. Und nur 9 Prozent brachten den Saal wirklich zum Lachen.
Allerdings waren 42 Prozent der erfolgreichen Späße spontane Kommentare zu technischen Pannen bei den Präsentationen, sprich eher unfreiwillige Komik als geplante Pointen. Andere Witze konzentrierten sich oft auf das Thema des Vortrags selbst oder griffen lustige Begebenheiten aus der Praxis auf. Vereinzelt hatte es Anspielungen auf die Popkultur gegeben.
Insgesamt enthielten fast 60 Prozent der untersuchten Vorträge mindestens einen lustigen Moment, etwa 40 Prozent von ihnen kam ganz ohne Humor aus, wie die im Fachjournal »Proceedings of the Royal Society B« veröffentlichte Analyse zeigte.
Die Studie fand keine spezielle Witzart, die garantiert zündete – entscheidender war das Timing. Besonders erfolgreich waren Pointen in der Mitte eines Vortrags, wenn die Aufmerksamkeit des Publikums naturgemäß schon nachgelassen hat, wie der Hauptautor Stefano Mammola in einem Interview auf »News from Science« betonte. Am Anfang und Ende einer Präsentation witzelten die Vortragenden ebenfalls häufiger, meist um das Eis zu brechen oder einen sympathischen Abgang zu schaffen.
Männer erzählten im Schnitt häufiger Witze, und Späße von Männern sowie von englischen Muttersprachlern hatten eine rund 10 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, Gelächter hervorzurufen. Die Autoren, zu denen auch die Umweltwissenschaftlerin von der University of Colorado Boulder und Impro-Comedian Victoria Stout gehört, machen dafür weniger das Talent als vielmehr eine unterschiedliche Risikobereitschaft verantwortlich. Denn Humor gilt im Wissenschaftskontext als Wagnis. Und nicht jeder fühlt sich gleichermaßen sicher, dieses einzugehen.
Gleichzeitig zeigt die Studie, wie stark Humor die Wahrnehmung eines Vortrags beeinflusst: Er macht Redner zugänglicher, Inhalte einprägsamer und das Publikum wacher – ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Selbst Späße, die nur ein Stöhnen hervorrufen, entspannen die Zuhörenden.