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Wirkstoffe gegen RSV-Infektion in der Pipeline

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Während es bei passiver Immunisierung und Impfung Fortschritte gab, fehlen noch immer antivirale Arzneistoffe für die Behandlung einer RSV-Infektion. Die klinische Pipeline ist erstaunlich schmal, es gibt aber einige vielversprechende Arzneistoffkandidaten.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 17.03.2026  09:00 Uhr

Bei RSV handelt es sich um ein umhülltes Einzelstrang-RNA-Virus. Eine RSV-Infektion gilt insbesondere in ganz jungen Jahren und im hohen Lebensalter als besonders gefährlich. Bis zu ihrem zweiten Geburtstag infizieren sich nahezu alle Kinder erstmals mit RSV. Mehrfache Infektionen im Leben sind möglich und häufig.

Für die passive Immunisierung stehen die Antikörper Palivizumab und Nirsevimab zur Verfügung. Sie binden an das F-Protein des Virus und verhindern damit sein Eindringen in die Wirtszelle und seine Verbreitung im Körper. Mit den proteinbasierten Vakzinen Arexvy® und Abrysvo® sowie der mRNA-basierten Vakzine Mresvia® gibt es auch drei RSV-Impfstoffe im Handel.

Eine wirksame kausale Behandlung der RSV-Infektion existiert dagegen bislang nicht. Die Gabe von Ribavirin wird mittlerweile nicht mehr empfohlen. Die Therapie der RSV-Infektion erfolgt daher aktuell rein symptomatisch. Zu achten ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Sekretmobilisation und auf das Freihalten des Nasopharynx mit Kochsalz-Nasenspülungen oder -tropfen. Gegebenenfalls sind Sauerstoffgaben, Atemunterstützung mit CPAP-Maske oder Intubation und Beatmung notwendig.

Z-Substanzen bei RSV: Ziresovir und Zelicapavir

An speziellen RSV-Wirkstoffen wird allerdings gearbeitet. Eine große Rolle spielen dabei Fusionsinhibitoren. Auch sie blockieren das F-Protein, das für die Fusion der Virushülle mit der Wirtszellmembran nötig ist. Das Protein ist ferner für die Bildung von Synzytien, also mehrkernigen Riesenzellen, von Bedeutung. Fusionshemmer greifen damit sehr früh im Infektionszyklus ein.

Eines Tages könnte es bei diesem Wirkmechanismus durch Mutationen im F-Protein aber zu Resistenzproblemen kommen, so die Befürchtung von Experten. Zu den Fusionshemmern zählt zum Beispiel Ziresovir, das seine Wirksamkeit und Sicherheit bei der Behandlung von Säuglingen mit RSV in einer Phase-III-Studie unter Beweis gestellt hat.

Aktuell informiert das Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung Twincore in Hannover, dass im Rahmen des Projekts »OPERA« (Optimising Pan-Entry RSV Antivirals) neue Behandlungsoptionen entwickelt werden sollen, genauer gesagt Fusionshemmer, die in einem größeren pH-Bereich aktiv sind. Das soll die Effektivität der Vertreter dieser Wirkstoffklasse noch deutlich verbessern. Zudem arbeite man an einer Formulierung, die für eine inhalative Gabe geeignet ist, sodass der Wirkstoff schnell und gezielt in der Lunge ankommt.

Andere Ideen für RSV-Wirkstoffe zielen auf die virale Replikationsmaschinerie ab. Zu nennen wäre zum Beispiel der N-Protein-Inhibitor Zelicapavir, der die virale Replikation über Interaktion mit dem RSV-Nukleoprotein hemmt. Auch der gegen die RNA-abhängige RNA-Polymerase (L-Protein) von RSV gerichtete Wirkstoff EDP-323 soll die virale Replikation hemmen. Beide Wirkstoffe befinden sich in der klinischen Testung.

In der Entwicklung eingestellt wurde unterdessen ein Wirkstoff, der über RNA-Interferenz wirkt. Das heißt aber nicht, dass nicht doch eines Tages auch ein »Siran« für die RSV-Behandlung zur Verfügung stehen könnte.

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