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Eltern fragen sich
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Wie viele Stunden Scrollen sind zu viel?

Viele Kinder und Jugendliche verbringen täglich mehrere Stunden scrollend auf Social-Media-Plattformen. Entscheidend für ihr psychisches Wohlbefinden ist nicht die Zeitspanne, sondern ob die Nutzung zur Stressquelle oder Sucht wird.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 19.02.2026  11:30 Uhr
Wie viele Stunden Scrollen sind zu viel?

Die Forschung beschäftigt sich schon seit längerem mit der Frage: Welche Folgen hat es, wenn Kinder und Jugendliche große Teile ihres Tages mit Scrollen verbringen? Klar ist: Je mehr Zeit für Social Media draufgeht, desto weniger Zeit bleibt für andere Dinge – nicht zuletzt fürs Schlafen.

Der Psychologin Isabel Brandhorst von der Universität Tübingen zufolge ist wissenschaftlich mittlerweile gut belegt, dass eine gesteigerte Nutzung von sozialen Medien und Smartphones, aber auch eine problematische Nutzung im Sinne einer suchtartigen Nutzung mit geringerem psychischem Wohlbefinden, mehr Schlafproblemen, mehr Depressionen, mehr Essstörungen und mehr Selbstverletzungen einhergeht. 

Mädchen und Mobbing-Opfer

Der Entwicklungspsychologe Sven Lindberg von der Universität Paderborn weist darauf hin, dass die signifikanten Effekte eher klein und vor allem einzelne, besonders verletzliche Gruppen betroffen seien. Dabei nennt er Kinder und Jugendliche, die schon eine andere Belastung hätten. »Wenn ich schon ängstlich bin oder wenn ich eine depressive Störung habe, dann kann das Nutzen von Social Media diese Effekte verstärken.«

Eine der gefährdeten Gruppen seien Mädchen, etwa weil soziale Vergleiche eine große Rolle spielten. Auch Brandhorst sorgt sich um Mädchen. Diese hätten einen etwas höheren Hang zur Sucht, tauchten aber kaum in Beratungsstellen und Therapieangeboten auf. Eine weitere Gruppe sind Lindberg zufolge Mobbing-Opfer. »Cybermobbing über Social Media und Co. wirkt nochmal viel stärker, denn ich werde nicht nur auf dem Schulhof geärgert, sondern 24/7.«

Ab wann wird es gefährlich?

Lindberg erläutert, dass die reine Nutzungsdauer nicht das Problem sei, sondern was die Jugendlichen konkret in dieser Zeit machten. »Als Daumenregel: Je passiver die Nutzung ist, also nur scrollen, scrollen, scrollen, desto negativer ist das.« Es könne sein, dass jemand acht Stunden am Tag Social Media nutze, aber nicht darunter leide, weil es vielleicht mit seinem Beruf verbunden ist. Aber es könne auch sein, dass jemand drei Stunden Social Media nutzt, aber eigentlich die ganze Zeit denkt, eigentlich möchte ich in der Zeit lieber was anderes tun. »Dann ist diese Drei-Stunden-Nutzung schon problematisch, weil es eben individuell als ungewollt empfunden wird.«

Einer Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf von 2025 zufolge nutzt etwa jeder vierte Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren soziale Medien auf eine als problematisch eingestufte Weise. Knapp 5 Prozent gelten als abhängig. 

Man müsse definieren, wann die Schwelle zur Sucht überschritten sei, meint Lindberg. Hier gälten die gleichen Regeln wie bei anderen Süchten: »Wenn jemand süchtig ist, dann leidet er darunter, dass er es eben nicht anders kann, als er eigentlich möchte. Und dass es ihn einschränkt, zum Beispiel in seiner Arbeit, in seinen sozialen Kontakten.«

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