Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Pharmazeutische Dienstleistungen
-
Wie viel Zeit kostet die pDL Polymedikation?

Veranschlagt ist die pharmazeutische Dienstleistung bislang mit 80 Minuten (und 90 Euro Honorar). Die Auswertung einer einzelnen Apotheke zeigt nun, dass es selbst mit viel Übung bei der durchschnittlichen Anzahl von Medikamenten länger dauert.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 18.02.2026  11:45 Uhr

Angeboten werden kann die pharmazeutische Dienstleistung (pDL) »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« bekanntlich, wenn fünf systemisch anzuwendende Medikamente dauerhaft verordnet sind. Die Leistung beinhaltet die Erfassung der Medikation (»Brown-Bag-Review«) sowie die Evaluation der arzneimittelbezogenen Probleme und Lösungsvorschläge. Dafür sind laut Vertrag zwischen Deutschem Apothekerverband und GKV-Spitzenverband 80 Minuten veranschlagt, für ein Honorar von 90 Euro.

Medikationsanalysen zählen schon seit vielen Jahren zum Angebot der Markt-Apotheke in Hamburg-Eidelstedt. Inhaberin Dr. Dorothee Michel und ihre Kollegin Dr. Dorothee Dartsch forschen und referieren sogar häufig zu dem Thema. »Als Inhaberin wollte ich herausfinden, wie viel Zeit wir für die einzelnen Schritte bei der pDL brauchen, um dann im Team zu besprechen, wie wir noch effizienter werden können«, berichtet Michel gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Also setzten Michel und Dartsch eine eigene Studie auf.

Sie und die Apothekerinnen und Apotheker im Team führten die pDL regulär durch und dokumentierten bei 120 Fällen die Zeit für jeden einzelnen Schritt. Zudem erfassten sie die Zahl der angewendeten Rx- und OTC-Arzneimittel. Ihre Ergebnisse präsentieren Michel und Dartsch am heutigen Mittwoch beim Kongress des Pharmaceutical Care Network Europe im österreichischen Innsbruck.

Im Schnitt 11,4 Arzneimittel pro Patient

Die Patienten waren im Median 76,5 Jahre alt und hatten 9,4 verordnete Medikamente und 11,4 Arzneimittel insgesamt. Die Spannweite war groß: Zwischen fünf und 21 verordneten und zwischen null und 26 OTC-Präparaten. Im Maximalfall hatte ein Patient insgesamt 33 Arzneimittel.

Bei 77,5 Prozent der Analysen konnten die Apothekerinnen und Apotheker auf Verordnungs- und Abgabedaten zurückgreifen. 52,9 Prozent hatten einen Medikationsplan. Bei 50 Prozent lagen zusätzlich Laborergebnisse und bei 15 Prozent medizinische Dokumente vor.

Im Schnitt brauchten die Pharmazeuten 96,3 Minuten, so das Ergebnis – also etwas mehr als eine Viertelstunde länger als vergütet wird. Die Standardabweichung betrug dabei 29,6 Minuten, die es also länger oder kürzer dauern konnte. Die einzelnen Schritte erforderten dabei folgenden Zeitaufwand:

  • Vorbereitung: 6,8 Minuten,
  • Patientengespräch: 34,1 Minuten,
  • Sicherheitscheck und Dokumentation: 40,3 Minuten,
  • finales Beratungsgespräch: 15,4 Minuten.

Mehr von Avoxa