| Daniela Hüttemann |
| 18.02.2026 11:45 Uhr |
Stärkster Einflussfaktor für die benötigte Zeit für die pDL »Erweitere Medikationsberatung Polymedikation« war die Anzahl der angewendeten Arzneimittel. / © Getty Images/narvo vexar
Angeboten werden kann die pharmazeutische Dienstleistung (pDL) »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« bekanntlich, wenn fünf systemisch anzuwendende Medikamente dauerhaft verordnet sind. Die Leistung beinhaltet die Erfassung der Medikation (»Brown-Bag-Review«) sowie die Evaluation der arzneimittelbezogenen Probleme und Lösungsvorschläge. Dafür sind laut Vertrag zwischen Deutschem Apothekerverband und GKV-Spitzenverband 80 Minuten veranschlagt, für ein Honorar von 90 Euro.
Medikationsanalysen zählen schon seit vielen Jahren zum Angebot der Markt-Apotheke in Hamburg-Eidelstedt. Inhaberin Dr. Dorothee Michel und ihre Kollegin Dr. Dorothee Dartsch forschen und referieren sogar häufig zu dem Thema. »Als Inhaberin wollte ich herausfinden, wie viel Zeit wir für die einzelnen Schritte bei der pDL brauchen, um dann im Team zu besprechen, wie wir noch effizienter werden können«, berichtet Michel gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Also setzten Michel und Dartsch eine eigene Studie auf.
Sie und die Apothekerinnen und Apotheker im Team führten die pDL regulär durch und dokumentierten bei 120 Fällen die Zeit für jeden einzelnen Schritt. Zudem erfassten sie die Zahl der angewendeten Rx- und OTC-Arzneimittel. Ihre Ergebnisse präsentieren Michel und Dartsch am heutigen Mittwoch beim Kongress des Pharmaceutical Care Network Europe im österreichischen Innsbruck.
Die Patienten waren im Median 76,5 Jahre alt und hatten 9,4 verordnete Medikamente und 11,4 Arzneimittel insgesamt. Die Spannweite war groß: Zwischen fünf und 21 verordneten und zwischen null und 26 OTC-Präparaten. Im Maximalfall hatte ein Patient insgesamt 33 Arzneimittel.
Bei 77,5 Prozent der Analysen konnten die Apothekerinnen und Apotheker auf Verordnungs- und Abgabedaten zurückgreifen. 52,9 Prozent hatten einen Medikationsplan. Bei 50 Prozent lagen zusätzlich Laborergebnisse und bei 15 Prozent medizinische Dokumente vor.
Im Schnitt brauchten die Pharmazeuten 96,3 Minuten, so das Ergebnis – also etwas mehr als eine Viertelstunde länger als vergütet wird. Die Standardabweichung betrug dabei 29,6 Minuten, die es also länger oder kürzer dauern konnte. Die einzelnen Schritte erforderten dabei folgenden Zeitaufwand:
Stärkster Einflussfaktor für die benötigte Zeit war die Anzahl der angewendeten Arzneimittel. Die Gesamtzeit für alle dokumentierten Medikationsanalysen betrug mindestens 79,9 Minuten bei einem Patienten mit fünf Medikamenten. »Man sieht, dass es eigentlich nur mit genau fünf Medikamenten innerhalb des angedachten Zeitrahmens von 80 Minuten machbar ist«, so Michel. Jedes weitere Medikament, ob verschreibungspflichtig oder rezeptfrei, verlängerte die Zeit rein rechnerisch um weitere 2,6 Minuten (± 0,5 Minuten).
Bei der durchschnittlichen Zahl von 11,4 Medikamenten kommt es nicht hin. Darüber hinaus war die Zeit für die Patientenaufnahme und die Verwaltung der Termine nicht enthalten. »Daher erforderte der Service zusätzliche unbezahlte Zeit«, so das Fazit der Autorinnen.
»Meiner Ansicht nach ist gerade diese pDL sehr wichtig für eine heilberufliche Ausrichtung«, so Michel zur PZ. »Für die Kolleginnen ist es enorm befriedigend, ihr Fachwissen einzusetzen und den Menschen zu helfen. Auch unsere Zusammenarbeit mit den Ärzten profitiert sehr davon.« Sie hofft daher auf eine bessere Vergütung, insbesondere für Fälle mit vielen Medikamenten.