Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Tot- versus Lebendimpfstoffe
-
Wie unterscheiden sie sich voneinander?

Das Impfangebot in den öffentlichen Apotheken soll nach dem Willen verantwortlicher Politiker deutlich ausgebaut werden. Im Gespräch sind Impfungen mit sämtlichen Totimpfstoffen. Was sind das für Impfstoffe und wie unterscheiden sie sich von Lebendimpfstoffen?
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 16.03.2026  18:00 Uhr
Wie unterscheiden sie sich voneinander?

Aktivimpfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen der modernen Medizin. Durch sie konnte die Inzidenz zahlreicher Infektionskrankheiten drastisch gesenkt oder ihre Erreger konnten regional eliminiert werden. In Deutschland wird das Impfgeschehen durch die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) wissenschaftlich begleitet und regelmäßig evaluiert. Dieses wichtige Beratergremium der Bundesregierung formuliert jährlich aktualisierte Empfehlungen, die sich auf die Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit, epidemiologischen Relevanz und des Nutzen-Risiko-Verhältnisses der verfügbaren Impfstoffe stützen.

Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe lassen sich im Kern in zwei Hauptgruppen gliedern: Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe. Die Totimpfstoffe kann man wiederum unterteilen in Impfstoffe mit abgetöteten Erregern und Spalt- beziehungsweise Konjugatimpfstoffe. Eine Sonderform bilden die mRNA-Impfstoffe, die hinsichtlich ihres immunologischen Verhaltens zwischen den Lebend- und Totimpfstoffen eingruppiert werden. Alle Impfstoffe induzieren sowohl eine humorale Immunantwort, die durch Antikörper vermittelt wird, als auch eine zelluläre Immunantwort, die in spezialisierten T-Zellen resultiert.

Lebendimpfstoffe: Prinzip, Beispiele und Besonderheiten

Lebendimpfstoffe enthalten attenuierte (abgeschwächte) Erreger. Diese Stämme, darunter sowohl Viren als auch Bakterien, besitzen eine stark reduzierte Pathogenität, bewahren jedoch ihre Fähigkeit, sich in begrenztem Umfang im Wirtsorganismus zu vermehren. Dadurch entsteht eine infektionsähnliche Situation, die eine besonders gute Schutzwirkung entfaltet.

Einzelne Impfstoffe stimulieren das Immunsystem über die physiologischen Eintrittspforten, beispielsweise Rotavirus- oder Typhus-Schluckimpfstoffe oder auch der nasal zu applizierende Influenza-Impfstoff für Kleinkinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren.

Wegen ihrer Replikationsfähigkeit und der damit verbundenen lang andauernden Exposition mit den Antigenen bilden Lebendimpfstoffe eine teils lebenslange Immunität aus, weshalb vielfach die Notwendigkeit für Auffrischimpfungen entfällt.

Zudem induzieren nur Lebendimpfstoffe eine vollständige Aktivierung des angeborenen und des adaptiven Immunsystems, inklusive der Bildung von zytotoxischen (CD8+) T-Zellen und Gedächtnis-B-Zellen, was eine robuste Sekundärantwort ermöglicht.

Allerdings sind Lebendimpfstoffe für immunsupprimierte Menschen kontraindiziert. Zu diesen gehören unter anderem HIV-Infizierte oder Patienten, die eine Chemotherapie beziehungsweise eine hoch dosierte Corticosteroidtherapie erhalten.

Zu beachten ist zudem, dass verschiedene Lebendimpfstoffe entweder gleichzeitig oder mit einem Impfabstand von mindestens vier Wochen gegeben werden sollten. Aus diesem Grund sind die klassischen Impfstoffkombinationen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) oder Masern, Mumps, Röteln und Varizella (MMRV) so sinnvoll. Eine Impfung mit einem Lebendimpfstoff ist erst nach Ende des ersten Lebensjahres möglich, da erst dann das zelluläre Immunsystem ausreichend entwickelt ist.

Neben den bereits erwähnten Impfstoffen sind in Deutschland noch Lebendimpfstoffe zum Schutz vor folgenden Erregern zugelassen: Mpox, Chikungunya (zugelassen in der EU, noch nicht vermarktet), Cholera, Denguefieber, Gelbfieber, Pocken und Polio.

Mehr von Avoxa