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Corona-Protokolle 
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Wie unabhängig war das RKI? 

Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren teils heftig umstritten. Nun werden Protokolle zu Beratungen im Krisenstab des Robert Koch-Institut (RKI) publik. Mehrere Politiker fordern eine Aufarbeitung der Pandemie und erheben Vorwürfe gegen die damalige Bundesregierung.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 25.03.2024  18:00 Uhr

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist Vermutungen über eine externe Einflussnahme auf eine höhere Risikobewertung des Robert Koch-Institut zur Corona-Lage im März 2020 entgegengetreten. »Das RKI ist in seinen fachlichen Bewertungen von Krankheiten absolut unabhängig«, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin zu einem Bericht des Online-Magazins »Multipolar«, das teils geschwärzte Protokolle des RKI-Krisenstabs aus der Zeit von Januar 2020 bis April 2021 veröffentlicht hat.

In einem Protokoll vom 16. März 2020 heißt es demnach: »Es soll diese Woche hochskaliert werden. Die Risikobewertung wird veröffentlicht, sobald (Passage geschwärzt) ein Signal dafür gibt.« Die Ministeriumssprecherin machte deutlich, hinter der Schwärzung stehe »ein interner Mitarbeiter des RKI«. Das Institut habe am Tag darauf die neue Risikobewertung in einer Pressekonferenz auch öffentlich gemacht.

RKI-Einschätzung war Basis für Maßnahmen 

Das RKI habe eine fachliche Bewertung der Lage vorgenommen, die im damaligen Zusammenhang zu sehen sei, erläuterte das Ministerium. So habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fünf Tage zuvor, am 11. März 2020, die Pandemie ausgerufen. Im italienischen Bergamo seien im Februar/März 4500 Menschen an Covid-19 gestorben, mehrere Länder hätten auch kurz zuvor Einreiseverbote verhängt.

Das RKI war seinerzeit für die Risikoeinschätzung verantwortlich. Auf seiner Einschätzung basierten die Gegenmaßnahmen wie Lockdowns, Kontaktverbote und Ausgangssperren, die helfen sollten, die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen.

Schwärzungen von Namen seien in solchen Zusammenhängen üblich, da man auch Mitarbeiter schützen müsse, sagte die Ministeriumssprecherin. »Multipolar« setzte die Herausgabe der veröffentlichten Protokolle nach eigenen Angaben mit juristischen Schritten infolge eines Antrags nach dem Informationsfreiheitsgesetz durch. Das Portal, das sich selbst auf die Fahne geschrieben hat, unterschiedliche Perspektiven zu gesellschaftlichen und politischen Fragen darzustellen, wird von Kritikern in die Nähe verschwörungserzählerischer Publikationen gerückt.

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