| Paulina Kamm |
| 07.01.2026 10:00 Uhr |
62,2 Prozent der Frauen in Deutschland im Alter zwischen 20 und 30 Jahren vertreten ein egalitäres Rollenbild – trotz 50er-Jahre Vorbilder, die auf Instagram und Tiktok kursieren. / © Adobe Stock/JenkoAtaman
In sozialen Medien wie Tiktok und Instagram stolpert man inzwischen häufiger über Content, der die Ehe sowie traditionelle Geschlechterrollen der 50er Jahre verherrlicht. Influencerinnen bejubeln ein traditionelles Rollenbild von Weiblichkeit, Mutterschaft und Fürsorgearbeit. In diesem Zusammenhang entstand der Begriff »Tradwives«. Ein Neologismus, der sich aus den Wörtern »Tradition« und »Wives« zusammensetzt.
Zwar stellen Frauen mit Tradwife-Einstellungen mit 18,5 Prozent statistisch gesehen die kleinste Gruppe unter den vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) betrachteten Frauen dar. Doch das Institut wollte wissen, bei wem die Rollenbilder der 50er Jahre Anklang finden. Dazu befragte es hierzulande mehr als 2700 Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren.
Es stellte sich heraus: Trotz der Präsenz traditioneller Narrative in sozialen Medien, vertreten junge Frauen in Deutschland überwiegend ein progressives Rollenbild. 62,2 Prozent sprachen sich demnach für gleichgestellte Werte zwischen den Geschlechtern aus. »Sie stehen für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung bei Familie und Beruf und befürworten gleichstellungsbezogene Grundsätze«, so die Mitautorin der Studie Dr. Sabine Diabaté.
Und 19,3 Prozent der Befragten vertreten ein sogenanntes vereinbarkeitsorientiertes Modell. Das bedeutet, sie unterstützen zwar grundsätzlich Gleichstellung, halten eine Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern und Eltern aber für schlecht vereinbar mit den Bedürfnissen der Kinder.
Eine der weit verbreiteten Überzeugungen der Tradwives ist laut BiB, dass ein Kleinkind unter der Ausübung des Berufs seiner Mutter leide. Sie sprechen Frauen ohne Kinder ab, ein erfülltes Leben führen zu können. Ihrer Ansicht nach sollten sich Frauen stärker auf die Familie als auf eine Karriere und ihr eigenes Leben konzentrieren. Sie erachten die Mutterschaft als »existenzielle Lebensaufgabe einer Frau«, heißt es vom BiB.
Junge Frauen, deren Einstellungen dem Tradwife-Muster ähneln, bezeichnen sich laut der Studie selbst als religiös und sind eher einem mittleren oder niedrigen Bildungsgrad zuzuordnen. Aber auch verheiratete Frauen und Mütter halten mit höherer Wahrscheinlichkeit am alten Rollenbild fest.
Dagegen widerstrebt dies Frauen mit höherem Bildungsgrad, die eher Karriere machen und häufiger finanziell unabhängig sind. »Womöglich sind sie dadurch egalitärer eingestellt und hinterfragen traditionelle Rollenbilder – oder sie wählen gerade wegen ihrer egalitären Überzeugungen emanzipatorische Lebensentwürfe«, erklärt Mitautorin der BiB-Studie Dr. Leonie Kleinschrot.