| Paulina Kamm |
| 07.01.2026 10:00 Uhr |
Kritikern missfällt der Widerspruch, dass Influencerinnen ihr Geld ausgerechnet damit verdienen, anderen Frauen unbezahlte Care-Arbeit schmackhaft zu machen. Bekannte Gesichter dieser Bewegung sind etwa Estee C. Williams, die durch einige kontroverse Aussagen in der amerikanischen Talkshow »Dr. Phil« auf sich aufmerksam machte.
Nara Smith, eine deutsche Influencerin, die mit ihrem Mann Lucky Blue Smith in den USA lebt, hinterlegt ihre Videos mit sinnlich eingesprochenen Anekdoten und Anleitungen aus ihrem Alltag. Offiziell lehne Smith den Tradwife-Begriff ab, auf Instagram präsentiert sie sich hingegen backend, kochend, Kinder erziehend – und das alles in Designerklamotten, perfekt geschminkt und laut Eigenaussage auf Wunsch der Kinder und/oder des Mannes.
Fazit der BiB-Analyse: Weibliche Rollenbilder der 50er seien zwar auf Social Media sichtbar und somit auch reichweitenstark, prägten aber im realen Leben hierzulande nur eine Minderheit. Die Mehrheit der jungen Frauen in Deutschland orientiert sich an egalitären Vorstellungen.
Die auseinanderklaffenden Vorstellungen der Rollenbilder stellt das Frauen Umwelt Netzwerk (FUN) der Technischen Universität Dresden (TU) mit einem gesellschaftlichen Phänomen in Zusammenhang: der »male loneliness epidemic«, also der Einsamkeitskrise unter Männern. Das klassische Ideal des starken, unabhängigen Mannes gelte als überholt, es fehle aber an neuen, positiv gelebten Vorstellungen von Männlichkeit, heißt es im »#Factfriday-Blog« des FUN. In dieser Unsicherheit sähen sich viele Männer mit dem Problem Einsamkeit konfrontiert.
Frauen pflegen laut FUN einerseits einen ausgeprägteren Zugang zu ihren eigenen Gefühlen und andererseits ein breiteres soziales Netzwerk. Für Männer seien hingegen emotionale Gespräche, Unterstützung im Alltag oder auch das Teilen von Sorgen ohne Beziehung häufig unzugänglich. Fehle eine Partnerin, entstehe häufig eine emotionale Leere. In Online-Foren finden Männer laut FUN für ihr fehlendes Zugehörigkeitsgefühl oft eine einfache Erklärung: Schuld sind entweder die Frauen selbst oder der Feminismus.