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GLP-1-Effekt
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Wie Inkretinmimetika die Lebensmittelbranche verändern

Der vermehrte Einsatz von Inkretinmimetika zeigt ökonomische Auswirkungen, mit denen zunächst nicht gerechnet wurde. Patienten, die mit GLP-1-Agonisten therapiert werden, essen nicht nur weniger, sondern ändern auch ihr Konsumverhalten so stark, dass die Lebensmittelindustrie nicht tatenlos zuschaut. Das zeigen Forschende des Cornell SC Johnson College of Business in einer neuen Studie.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 06.01.2025  11:30 Uhr

Lebensmittelindustrie reagiert

Diese signifikanten Veränderungen im Konsumverhalten von einer steigenden Zahl von Menschen, die zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion Inkretinmimetika benutzen, geht nicht an der Lebensmittelindustrie vorbei. Im Gegenteil: Unternehmen, deren Schwerpunkt auf der Herstellung kalorienreicher Lebensmittel lag, werden wahrscheinlich einen Nachfragerückgang zur Kenntnis nehmen müssen und ihre Produktportfolios entsprechend anpassen. Bereits jetzt deutet sich an, dass die Präferenzen hin zu kleineren Portionen und gesünderen Alternativen gehen.

Konkret beginnen Lebensmittelgiganten auf diese Veränderungen zu reagieren, indem sie beispielsweise ihre Produktportfolios zunächst diversifizieren. So erwarb das 50-Milliarden-Dollar-Unternehmen Mars kürzlich Kevin's Natural Foods, das mit Produkten wirbt, die keto- und paleo-zertifiziert sowie frei von Milchprodukten, Gluten und Soja seien. Zudem zeichnet sich ein Trend zu kleineren Einheiten für den »On-The-Go«-Konsum ab, mit dem die neue Zielgruppe von Konsumenten angesprochen wird, die aufgrund ihrer Therapie nicht mehr so viel essen können.

Der Lebensmittelgigant Nestlé hat eine ganze Produktlinie mit Tiefkühlkost unter dem Label »Vital Pursuit« auf den Markt gebracht, die speziell auf die Zielgruppe der Inkretinmimetika-Nutzer zugeschnitten ist. Das Unternehmen Conagra Brands plant, Lebensmitteleigenschaften wie den Proteingehalt hervorzuheben, der während der Behandlung mit GLP-1-RA erhöht werden sollte. Und Campbell Soup und Danone sind der Meinung, dass die Eigenschaften ihrer Lebensmittel, wie leichte Verdaulichkeit und hoher Proteingehalt, die neue Zielgruppe ansprechen werden, wie das Magazin »Fortune« kürzlich berichtete.

Erstmalig sieht die mächtige Lebensmittelindustrie eine echte Bedrohung auf sich zukommen. Die bisherigen Strategien, die auf immer stärkere Reize für Heißhunger ausgerichtet waren, greifen bei immer mehr Menschen nicht mehr, denn GLP-1-RA bewirken, dass Hunger nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Längst gestehen sich zwischenzeitlich die meisten derjenigen, die den Inkretinmimetika gegenüber eher kritisch eingestellt sind, ein, dass diese Wirkstoffe tatsächlich ein Potenzial besitzen, die Volksgesundheit signifikant zu verbessern. Das bedeutet, dass der Einsatz dieser Medikamente, die auf längere Sicht auch deutlich kostengünstiger werden könnten, steigen könnte.

Was bisher deutlich weniger offensichtlich war, ist das disruptive Potenzial der Inkretinmimetika in anderen, nicht medizinisch-pharmazeutischen Bereichen. Studien, die aus wirtschaftswissenschaftlichen Arbeitsgruppen kommen, werden dies in Zukunft noch viel deutlicher aufzeigen.

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