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Inklusion
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Wie eine barrierefreie Gesundheitsversorgung gelingt

Eine Diskussionsrunde mit den Grünen-Bundestagsabgeordneten Kirsten Kappert-Gonther und Simone Fischer machte Versorgungslücken sichtbar und skizzierte Wege zu einer inklusiven Gesundheitsversorgung für Frauen mit Behinderungen.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 21.01.2026  17:30 Uhr

Wie eine barrierefreie medizinische Versorgung für Frauen mit Behinderungen gelingen kann, wurde heute im Rahmen eines Fachgesprächs mit den Grünen-Bundestagsabgeordneten Kirsten Kappert-Gonther und Simone Fischer diskutiert. Dabei ging es um bestehende Versorgungslücken und konkrete Ansätze einer inklusiven und diskriminierungsfreien Gesundheitsversorgung.

»Wir erleben und wissen, Barrierefreiheit im Gesundheitswesen ist kein Nischenthema, sondern wirklich eine grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Selbstbestimmung und auch gleichberechtigte Teilhabe«, führte Simone Fischer in das Thema ein. »In der Realität erleben wir vielfach, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung für Frauen und Mädchen bis heute mit hohen Hürden auch immer wieder verbunden ist.«

In der parlamentarischen Arbeit beschäftige sich die Grünen-Bundestagsfraktion mit diesen Themen, zuletzt auch mit einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung zur Barrierefreiheit im Gesundheitssystem. »Die Antwort der Bundesregierung war wirklich ernüchternd, weil trotz Aktionsplan für ein diverses und inklusives barrierefreies Gesundheitswesen verbindliche Zeitpläne, klare Zielvorgaben und eine verlässliche Finanzierung fehlen«, so Fischer weiter. Vieles bleibe unverbindlich und droht damit auch folgenlos zu bleiben.

Vorsorgeuntersuchungen, beispielsweise in der Gynäkologie, würden ausbleiben, auch Aufklärung finde nicht statt. »Gesundheitliche Risiken werden damit auch in Kauf genommen, eben nicht aus freier Entscheidung, sondern wenn an manchen Stellen dann eben auch das System versagt.«

»Barrierefreiheit muss integraler Bestandteil von Gesundheitspolitik sein«

»Dass wir 2026 da stehen, wo wir stehen, ist tatsächlich erschütternd«, verdeutlichte Kirsten Kappert-Gonther in ihren einführenden Worten. Zwar habe es nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention einen kleinen Aufschwung gegeben, doch seit mindestens einem Jahr stehe man vor zusätzlichen internationalen Herausforderungen und einem enormen Druck auf die Demokratie. »Diskriminierung nimmt zu. In solch angespannten Zeiten geraten die, die ohnehin an den Rand gedrängt werden, zunehmend weiter in Gefahr, ganz aus dem Blick zu gelangen. Von daher ist das heute eine hochpolitische Veranstaltung«, mahnte die Politikerin. 

Der enorme »Gender Health Gap« werde nicht kleiner, sondern der Druck auf Frauenrechte und auf Frauen mit Behinderung nehme deutlich zu. »Unser Anspruch als Bündnis 90/Die Grünen ist, dass die UN-Behindertenrechtskonvention kein »Nice-to-have« ist, sondern ein Gesetz, an das sich die internationale Staatengemeinschaft aber eben auch Deutschland zu halten hat. Und das gilt eben auch für Artikel 25«, so Kappert-Gonther. »Barrierefreiheit muss integraler Bestandteil von Gesundheitspolitik sein«, forderte sie. »Es ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber Menschen, die sich mit besonderen Barrieren konfrontiert sehen, sondern es ist auch eine grundsätzliche Frage von Gerechtigkeit und somit von Demokratie. Wir sind fest davon überzeugt, dass ein inklusives Gesundheitswesen Versorgung für die und den Einzelnen verbessert, aber auch insgesamt für uns gemeinsam ein wichtiger Bestandteil für eine gerechte Gesundheitsversorgung ist.«

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